12. Seelenewigkeit Des Menschen Vom Gesichtspunkt Der Anthroposophie

GA 80b/1923-05-14/p022 ·1923-05-14 · original (original)
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Und vielleicht nur durch einige Selbsttäuschung zustande gebracht ist dasjenige, was du uns da schilderst, auf Grundlage deines aktivierten Denkens erworben, doch nichts anderes als ein solches Erinnerungsbild. Das wäre es ganz gewiss, wenn es sich nicht seinem Inhalte nach unterschiede! Wenn man nämlich wirklich diesen Dingen so gegenübersteht, wie man es gewöhnt ist als Wissenschafter, wissenschaftlichen Dingen gegenüberzutreten in den Laboratorien, in physikalischen Kabinetten, auf der Klinik und so weiter, dann prüft man jetzt: Wie ist ein gewöhnliches Erinnerungsbild, stellen uns vor, wie Menschen an uns herangekommen sind, wie sie das oder jenes uns gegenüber getan haben, wie das oder jenes uns sympathisch oder antipathisch berührt hat und so weiter und so weiter. Es stellt uns dieses Erinnerungsbild vielleicht auch dar, wie Naturerscheinungen an uns herangekommen sind. Aber immer ist es dieses Herankommen, was die Hauptsache ist beim bloßen Erinnerungsbild. Bei diesem Tableau, auf das ich jetzt aufmerksam gemacht habe, da ist es nicht so, dass die Dinge an uns herankommen, sondern da kommt alles aus uns heraus. Da erscheint uns vorzugsweise das, wie wir aus den inneren Kräften der Seele an die Naturerscheinungen herantreten, an die Menschen herantreten. Es erscheint uns alles dasjenige, was aus dem Innern herauskommt. Es ist die wirkliche Selbsterkenntnis, die reale, konkrete Selbsterkenntnis, die da auftritt, und zwar zunächst für das bisherige Erdenleben. Wenn wir vergleichen dasjenige, was wir da überschauen, dann müssen wir sagen: Es verhält sich zu einem gewöhnlichen Erinnerungsbild, das wir uns machen über unser bisheriges Erdenleben, wie der Siegellackabdruck zu dem, was im Petschaft ist: Es ist das richtige Reversbild. Und wer ebenso vergleichen kann, der weiß, dass [ist] jetzt die erste Stufe einer neuen Erkenntnis, einer erhöhten Erinnerung, die aber jetzt nicht mehr Erinnerung ist, sondern die jetzt ein imaginatives Überschauen des Erdenlebens darstellt. Das ist die erste Stufe, wo man fühlt, dass man diesen höheren Menschen, den Zeitmenschen, in sich trägt, dass das nicht etwas ist, was der Raumesleib aus sich herauszaubert, sondern dass das etwas ist, was selber an diesem Raumesleib gearbeitet hat, seit wir auf der Erde als Menschen sind. Denn die Kräfte, die in diesem Zeitleib liegen, wir erkennen sie als von der gleichen Art, wie die Wachstumskraft, wie dasjenige, was zum Beispiel, während wir Kind waren, in wunderbarer Weise modelliert hat unser erst unplastisches Gehirn, ich möchte sagen amorphes Gehirn, zu jener wunderbaren Gestalt, die dieses Gehirn nach und nach bekommt und so weiter und so weiter.

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