12. Seelenewigkeit Des Menschen Vom Gesichtspunkt Der Anthroposophie
Meine sehr verehrten Anwesenden! Immer wieder und wiederum muss ich bei einer solchen Gelegenheit sagen: Natürlich ist der Einwand gegeben: Diese Dinge gehen ja nur den an, der eben ein Geistesforscher werden will, der in diese Welten hineinsieht. Nein — meine sehr verehrten Anwesenden —, der Geistesforscher selber hat eigentlich von diesen Dingen für seinen Menschen erst etwas, wenn er sie heruntergebracht hat in das gewöhnliche Vorstellen, in die gewöhnliche Sprache, in das gewöhnliche Leben. Und das kann für jeden Menschen geschehen, der diese Dinge auch vom Geistesforscher hört. Geradeso, wie man sich angewöhnt hat, die Dinge hinzunehmen, die der Botaniker mit seinen schwierigen Methoden erkundet oder der Astronom mit seinen schwierigen Methoden erkundet, so wird man sich eben nach und nach daran gewöhnen müssen, die Dinge, die der Geistesforscher, nachdem er Rechenschaft abgibt über seine Methode, wie ich sie heute charakterisiert habe, die Dinge, die der Geistesforscher erkundet, sie wird man hinnehmen, hinnehmen umso leichter — meine sehr verehrten Anwesenden —, als zwischen dem gewöhnlichen gesunden Menschenverstande und diesen Wahrheiten dasselbe Verhältnis besteht wie zwischen dem richtigen ästhetischen Geschmack und einem schönen Bilde. Man muss ein Maler sein, um ein schönes Bild zu malen; aber man muss kein Maler sein, um das Bild in seiner Schönheit zu beurteilen! Man braucht dazu nur gesunden Geschmack zu haben.
Cite:
GA 80b/1923-05-14/p044 · edition original