4. Die anthroposophische Geisteswissenschaft und die grossen Zivilisationsfragen der Gegenwart
Nach so etwas sehnen sich zahlreiche Seelen heute zurück. Allein man kann doch nicht sagen, dass eine Erneuerung, sei es alter chaldäischer Weisheit, alter ägyptischer, alter indischer oder sonstiger Weisheitslehren, dem heutigen Zeitalter einen besonderen Segen bringen würde. Wer das glaubt, der verstünde nicht im rechten Sinn den eigentlichen Geist der Menschheitsentwicklung. Die Menschheitsentwicklung ist durchaus so, dass jedem Zeitalter ein besonderer Charakter eigen ist, dass in jedem Zeitalter die Menschenseelen von etwas anderem befriedigt sein wollen. Und dasjenige, was wir einfach dadurch, dass wir im 20. Jahrhundert stehen, unsere Erziehung aus dem 20. Jahrhundert herausbekommen haben, für unsere Seelen bedürfen, es muss etwas anderes sein als dasjenige, was die Menschen einer grauen Vergangenheit für ihre Seelen gebraucht haben. Daher kann der Gegenwart nicht frommen eine Erneuerung alter Weltanschauungen. Aber orientieren kann man sich an demjenigen, was alte Weltanschauungen waren. Man wird dann sehen, woraus eigentlich die Befriedigungen, welche die Menschenseelen innerhalb jener alten Weltanschauungen gehabt haben, geflossen sind. Da muss man sagen: Diese Befriedigung floss den Menschenseelen dazumal daraus, dass sie im Grunde genommen ein ganz anderes Verhältnis zur wissenschaftlichen Erkenntnis hatten, als wir es heute haben.
Cite:
GA 80c/1921-02-23/p008 · edition original