4. Die anthroposophische Geisteswissenschaft und die grossen Zivilisationsfragen der Gegenwart
Durch einen Vergleich möchte ich Ihnen dasjenige verdeutlichen, was ich darunter verstehe. Nehmen wir ein fünfjähriges Kind und geben wir ihm einen Band Shakespeare in die Hand, was würde es damit tun? Es wird damit spielen, darin blättern, ihn zerreißen; es wird nicht dasjenige damit tun, was das Angemessene ist. Wenn das Kind aber dann weitere zehn oder fünfzehn Jahre durchlebt hat, wird es sich ganz anders zu dem Bande Shakespeare verhalten, es wird sich so verhalten, dass es dem Bande angemessen ist. Was ist da geschehen? Nun, Fähigkeiten, die der Anlage nach in dem Kinde gelebt haben, sind durch äußeres Eingreifen der Menschen, durch Erziehung und Unterricht ausgebildet worden in dem Kinde. Es ist seelisch ein anderes Wesen geworden im Laufe der zehn bis fünfzehn Jahre. Intellektuelle Bescheidenheit lässt dem Menschen sagen, auch dann gerade, wenn er erwachsen ist, wenn er die Zeitbildung in der Wissenschaft dem Intellekt nach aufgenommen hat: Du könntest in einer gewissen Weise der ganzen Natur, der Umwelt so gegenüberstehen, dass sich dein Gegenüberstehen vergleichen lässt mit dem des fünfjährigen Kindes einem Bande Shakespeare gegenüber. Es könnten in dir noch Anlagen sein, die weiter ausgebildet werden können, sodass du geistig-seelisch ein anderes Wesen wirst.
Cite:
GA 80c/1921-02-23/p030 · edition original