4. Die anthroposophische Geisteswissenschaft und die grossen Zivilisationsfragen der Gegenwart

GA 80c/1921-02-23/p034 ·1921-02-23 · original (original)
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Dasjenige, was die Erinnerung macht aus den sonst vorüberhuschenden Vorstellungen, das ist, dass sie ihnen Dauer verleiht. Das ist dasjenige, was man in der geisteswissenschaftlichen Methode zunächst aufgreift und weiterbildet; weiterbildet durch dasjenige, was ich in den genannten Büchern Meditation und Konzentration nenne. Es besteht darin, dass man sich entweder raten lässt von jemand, der in diesen Dingen Erfahrung hat, oder dass man sich aus der Literatur selber den Rat herausholt, dass man Vorstellungskomplexe, die leicht überschaubar sind, nimmt; solche überschaubaren Vorstellungskomplexe, wie etwa die geometrischen oder mathematischen Figuren sind, die man völlig übersieht, von denen man weiß: Das sind nicht Reminiszenzen aus dem Leben, die aus dem Unterbewussten herauftauchen, sondern alles, was man im Bewusstsein hat, das hat man durch eigene Willkür im Bewusstsein. Man unterliegt keiner Autosuggestion, keiner Träumerei, man überschaut dasjenige, was man in den Mittelpunkt des Bewusstseins rückt. Dann verharrt man im Bewusstsein längere Zeit mit völliger innerer Ruhe auf dieser Vorstellung. Geradeso, wie die Muskeln sich entwickeln, wenn sie eine besonders geartete Arbeit verrichten, so entwickeln sich gewisse Seelenkräfte, wenn sich die Seele hingibt dieser ungewohnten Tätigkeit des Verharrens auf solchen Vorstellungen. Es sieht einfach aus, und nicht nur, dass manche glauben, dass der Geisteswissenschafter dasjenige, was er zu sagen hat, aus irgendwelchen Einflüssen hervorhole, sondern es glauben auch manche, dass dasjenige, was ich hier schildere als Methoden, die sich im inneren, intimen Seelenleben selber abspielen, das sei leicht. Nein, auch dasjenige, was ich Ihnen jetzt erzähle, es erfordert eine lange Zeit; der eine Mensch kann es leichter, der andere kann es schwerer verrichten. Die Tiefe der Verrichtung ist viel wichtiger als die lange Zeit, die man mit einer solchen Meditation zubringt.

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