Anthroposophie und Philosophie

GA 81/1922-03-07/p004 ·1922-03-07 · original (original)
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Philosophie deutet ja dem Wortlaute nach — was aber zweifellos damals, als Philosophie entstand, etwas mehr als nur Wortlaut war —, deutet ja auf ein ganz bestimmtes inneres Erlebnis des Menschen; das Wort Philosophie deutet darauf, daß der Mensch an dem, was dem Logos verwandt ist, «Sophia», ein bestimmtes, man möchte sagen, wenn auch nicht ein persönliches, so doch ein allgemein menschliches Interesse hat. Es deutet das Wort Philosophie weniger unmittelbar auf den Besitz eines Wissenschaftlichen hin, als auf ein inneres Verhalten des Menschen zu dem weisheitsvollen Inhalt des Wissenschaftlichen. Da unser Gefühl gegenüber der Philosophie heute nicht mehr so ganz sicher ist wie in den Zeiten, als Philosophie auf der einen Seite fast zusammenfiel mit, ich will nicht sagen mit Wissenschaft, aber mit wissenschaftlichem Streben, und auf der anderen Seite etwas war, was auf ein inneres menschliches Verhalten hindeutete, haben wir heute ein außerordentlich unbestimmtes Erlebnis, wenn wir von Philosophie sprechen oder uns in Philosophie betätigen. Dieses unbestimmte Erlebnis ist aber außerordentlich schwer aus den Tiefen des Bewußtseins heraufzuheben, wenn man das auf eine bloß dialektische oder auch äußerlich definierende Weise versucht, und nicht einzugehen versucht auf das, was gegenüber der Philosophie menschliches Erleben im Laufe der geschichtlichen Entwicklung war. Zu einer solchen Betrachtung fordert ja die Gegenwart ganz besonders heraus.

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Cite: GA 81/1922-03-07/p004 · edition original