{"corpus":"steiner","locus":"GA 81/1922-03-07/p005","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Blicken wir als mitteleuropäische Menschen um einige Jahrzehnte zurück, so war eigentlich das Hineinleben in die Philosophie für den Menschen, der ein solches Einleben suchte, gerade in Mitteleuropa noch etwas anderes, als es heute im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ist, wo wir ja im Grunde genommen nicht nur äußerlich physisch, sondern gerade geistig wirklich so viel durchlebt haben, wie früher — man darf das ruhig aussprechen — in Jahrhunderten erlebt worden ist. Und wenn man zurückblickt auf die Erlebnisse, die ein — wenn ich mich des pedantisch-philiströsen Ausdruckes bedienen darf — Philosophie-Beflissener so in den 50er, 60er, 70er Jahren des 19. Jahrhunderts, vielleicht auch noch später, als Mitteleuropäer haben konnte, so sind es im wesentlichen diese: Man blickte zurück auf die Blütezeit deutscher philosophischer Entwicklung, man blickte zurück auf die große Philosophenzeit Fichtes, Schellings, Hegels; man hatte um Sich eine gebildete und ge[e}lrte Welt, welche diese Philosophenzeit als etwas durchaus Abgetanes betrachtete und welche in der heraufkommenden naturwissenschaftlichen Weltanschauung dasjenige sah, was an die Stelle früherer philosophischer Betrachtungen treten sollte. Man bewunderte die Größe der Gedankenerhebung, wie sie bei einem Schelling hervortrat, man bewunderte die Energie und die Kraft Fichtescher Gedankenentwicklung, man hatte vielleicht auch ein Gefühl für das rein Umfassende, Scharfsinnige Hegelschen Denkens, aber man betrachtete mehr oder weniger dieses klassische Zeitalter deutscher Philosophie doch als etwas Überwundenes.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Anthroposophie und Philosophie","site_heading":null,"date":"1922-03-07","location":null,"word_count":220,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/81/1922-03-07/p005","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/81/1922-03-07/p005"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/81/1922-03-07/p005","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}