Anthroposophie und Philosophie

GA 81/1922-03-07/p009 ·1922-03-07 · original (original)
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Heute nimmt sich die Situation in der ganzen philosophischen Welt so aus, daß man sie gar nicht mehr so schildern kann, wie ich jetzt eben die Situation vom letzten Drittel des 19. Jahrhunderts dargestellt habe, wenn man die Wirklichkeit treffen will. Heute sind vor unserem Blick philosophische Gesichtspunkte aufgetaucht, welche, ich möchte sagen, aus ganz anderen Untergründen emporgestiegen sind, und die notwendig machen, daß wir heute die philosophische Situation in einer ganz anderen Weise charakterisieren. Heute tritt, wenn wir die philosophische Situation charakterisieren wollen, scharf vor unser Seelenauge dasjenige, wofür ja unser Blick im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts so sehr geschärft werden konnte, nämlich die voneinander so stark differierenden philosophischen Weltanschauungen des Westens, der europäischen Mitte und des europäischen Ostens. Heute steht in einer anderen Weise als noch vor kurzer Zeit vor unserem gefühlsmäßigen Erleben des Philosophischen das, was sich etwa aussprechen kann in den drei Namen: Herbert Spencer — Hegel — Wladimir Solowjew. Indem wir diese drei Persönlichkeiten vor uns hinstellen, haben wir in ihnen die Repräsentanten dessen, was heute die philosophische Situation charakterisieren kann. Innerlich war das gewissermaßen schon immer oder seit langer Zeit der Fall, aber es tritt erst heute die philosophische Situation so charakteristisch vor unser Seelenauge.

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