{"corpus":"steiner","locus":"GA 81/1922-03-07/p011","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Was liegt damit eigentlich in diesem Westen vor? Da liegt vor, daß dort gerade der naturwissenschaftliche Gedanke in seiner vollen, seiner berechtigten Einseitigkeit sich entwickelt hat. Da liegt vor, daß aus den ursprünglichen Völkeranlagen heraus feinste Beobachtungsgabe und Experimentiertalent sich entwickelt haben. Da liegt vor, daß ein Interesse vorhanden ist, die Welt des äußerlich Sinnlich-Wirklichen in den kleinsten Einzelheiten zu beobachten, ohne dabei etwa ungeduldig zu werden und aufsteigen zu wollen zu irgendwelchen zusammenfassenden Begriffen. Da liegt aber auch vor ein Hang, mit der Wissenschaft stehenzubleiben innerhalb dieser äußeren sinnlichen Tatsachenwelt. Da liegt das vor, was ich nennen möchte: eine Art Furcht davor, von der Sinneswelt irgendwie zu einem Zusammenfassenden aufzusteigen. Da aber der Mensch doch nicht anders kann, als zu leben in etwas, was auch über die Sinneswelt hinausgeht, was dem Menschen nicht einfach durch die Sinne gegeben wird, so tritt hier im Westen die Erscheinung hervor, daß die gesamte geistige Welt restlos übergeben sein soll dem individuellen Glauben des einzelnen, und daß dieser Glaube frei von allem wissenschaftlichen Einfluß sich entwickeln soll. Was Inhalt des Religiösen ist, das will sich der Mensch nicht antasten lassen von dem, was er wissenschaftlich erkundet. So sehen wir, daß bei Herbert Spencer, der in seiner Art ganz konsequent die naturwissenschaftliche Denkweise heraufführt bis in die Soziologie hinein, streng [getrennt] vorhanden ist, auf der einen Seite die Wissenschaft, die ganz naturwissenschaftlich verlaufen soll, und auf der anderen Seite für den Menschen ein geistiger Inhalt, mit dem Wissenschaft sich nichts zu schaffen machen soll.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Anthroposophie und Philosophie","site_heading":null,"date":"1922-03-07","location":null,"word_count":250,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/81/1922-03-07/p011","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/81/1922-03-07/p011"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/81/1922-03-07/p011","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}