Anthroposophie und Philosophie

GA 81/1922-03-07/p012 ·1922-03-07 · original (original)
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Gehen wir nun von Herbert Spencer zu dem, was uns bei Hegel entgegentritt. Es verschlägt nichts, daß Hegel, der dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts angehörte, im zweiten Drittel für das mitteleuropäische Philosophieren mehr oder weniger als überwunden galt, denn was für Mitteleuropa charakteristisch ist, das ist doch am bedeutsamsten gerade bei Hegel zum Vorschein gekommen. Sehen wir uns Hegel an: Schon in seiner, ich möchte sagen, gefühlsmäßigen Veranlagung liegt eine gewisse Abneigung gegen diese universalistische naturwissenschaftliche Art, mit der Weltanschauung so zu verfahren, wie sie im Westen ausgestaltet wird durch Herbert Spencer, aber sich selbstverständlich vorbereitet hat durch dessen Vorgänger, sowohl die Naturforscher wie auch die Philosophen. Wir sehen bei Hegel, wie er zum Beispiel Newton nicht leiden kann, wie ihm die besondere Art, das Weltall nur mechanistisch zu denken, unsympathisch ist, wie er Newton ablehnt nicht etwa bloß in bezug auf die Farbenlehre, sondern auch als Interpreten des Kosmos. Hegel gibt sich Mühe, zu den Keplerschen Formeln über die Planetenbewegungen zurückzukehren; er analysiert die Keplerschen Formeln über die Planetenbewegungen und findet für sich, daß Newton eigentlich gar nichts hinzugefügt hat, sondern daß in den Keplerschen Formeln schon das ganze Gravitationsgesetz drinnenliegt. Und das übernimmt er aus dem Grunde, weil er aus dem, was bei Kepler mehr aus geistigem Erleben kommt, ein wissenschaftliches Denken hervorgehen sieht, das umfassend ist und das das äußere Naturwissenschaftliche vom Geiste aus begreiflich zu machen versucht. Kepler ist für Hegel einfach die Persönlichkeit, die imstande ist, in den Geist auch mit dem Denken einzudringen und eine Brücke zu schlagen zwischen dem, was wissenschaftlich erkannt wird, und dem, was nach der Meinung des Westens bloß geglaubt werden soll, der also imstande ist, die Wissenschaft heraufzutragen in das Gebiet, das für den Westen vermeintliches Gebiet des Glaubens ist.

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Cite: GA 81/1922-03-07/p012 · edition original