{"corpus":"steiner","locus":"GA 81/1922-03-07/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Aus diesem Grunde lehnt Hegel, ganz im Einklang mit Goethe, die Newtonsche Farbenlehre streng ab. Überall sehen wir in der Hegelschen Anlage eine Art Antipathie gegen das, was bei Newton aus dessen Anlagen heraus ganz natürlich ist. Dafür ist bei Hegel ein entschiedenes Talent vorhanden, ganz in dem Gedanklichen selber zu leben. Für Hegel war das einfach selbstverständlich, was Goethe gegenüber Schiller sagte: «Ich sehe meine Ideen mit Augen». Das ist scheinbar eine Naivität, allein, solche Naivitäten nehmen sich oftmals, richtig betrachtet, als die tiefste philosophische Weisheit aus. Hegel würde einfach nicht verstanden haben, wie man behaupten könne, die Idee des Dreiecks sei nicht zu fassen, denn Hegels Leben verlief eigentlich ganz — wenn ich mich so ausdrücken darf — auf dem Plan des Gedankens. Für ihn war auch eine höhere Offenbarungswelt, eine Welt höherer Geistigkeit dadurch vorhanden, daß sie gewissermaßen ihre Schattenbilder auf eine Fläche wirft, die von Gedanken ausgefüllt ist. Von oben her wirft die geistige Welt ihre Schattenbilder auf die Fläche der menschlichen Seele, auf der der menschliche Gedankesich entwickelt. Dadurch kommt für Hegel der Begriff des höheren Geistigen zustande, daß es auf der Fläche der Seele sich abschattet als Gedanken. Hegel ist dazu veranlagt, diese Gedanken voll als Geistiges zu erleben, und er erlebt auch das natürliche Geschehen nicht in seiner elementaren Gegenwart, sondern sieht es in den Gedankenbildern, die es auf die Fläche der Seele geworfen hat.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Anthroposophie und Philosophie","site_heading":null,"date":"1922-03-07","location":null,"word_count":232,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/81/1922-03-07/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/81/1922-03-07/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/81/1922-03-07/p013","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}