Anthroposophie und Philosophie
Gehen wir nun zum Osten, so haben wir in Wladimir Solowjew einen Mann vor uns, der wie kein anderer Philosoph dazu berufen ist, immer mehr nun auch ein Inhalt unseres eigenen philosophischen Strebens zu werden, der uns so wichtig werden muß, indem wir seine besondere Charaktereigentümlichkeit auf uns wirken lassen. Wir sehen in Solowjew zugleich den Repräsentanten dessen, was europäisch-östliche Denkweise ist, die aber nicht die orientalisch-asiatische ist. Solowieff hat ja alles Europäische aufgenommen, er hat es nur in seiner besonderen östlichen Art entwickelt. Aber was sehen wir da sich entwickeln in bezug auf menschliches wissenschaftliches Streben? Da sehen wir, wie eigentlich gerade jene Denkweise, auf die der Westen bei Herbert Spencer das meiste gibt, etwas ist, auf das Solowjew im Grunde genommen hinunterschaut, an dem er höchstens die Wahrheiten und Erkenntnisse, die er sucht, sozusagen illustriert. Dagegen ist das, was er auseinandersetzt, ein volles Erleben in der Geistigkeit selbst. Es tritt bei ihm nicht mit dem vollen Bewußtsein hervor; es tritt mehr atavistisch, unbewußt hervor, aber es ist ein Erleben in der Geistigkeit selbst. Es ist der mehr oder weniger traumhafte Versuch, wissentlich das zu erleben, was der Westen — wiederum ganz bewußt — in das Gebiet des Glaubens versetzt. Und so finden wir im Osten eine Auseinandersetzung mit dem, was in unbestimmter Weise erlebt werden kann, was sich etwa ausnimmt wie ein einseitiges Erleben dessen, zu dem Hegel als der Geistigkeit der Welt von dem natürlichen Dasein aus die Brücke hinüberschlagen wollte.