Anthroposophie und Philosophie

GA 81/1922-03-07/p017 ·1922-03-07 · original (original)
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Vertieft sich heute jemand, der aus mitteleuropäischer Geistesbildung hervorgegangen ist, in Solowjew, so hat er zunächst ein außerordentlich unbehagliches Gefühl. Er empfindet etwas, was ihn erinnert an manches nebelhaft Mystische, an Überhitztes im menschlichen Seelenleben, das nicht zu solchen Begriffen kommt, die sich äußerlich durch irgend etwas restlos belegen lassen, sondern die nur innerlich erlebt werden können. Er empfindet das vollständig Unbestimmte des mystischen Erlebens, aber er findet auch, daß Solowjew sich durchaus derjenigen Begriffsformen und Ausdrucksmittel bedient, die wir kennen, Hegelscher, Humescher, Millscher, sogar solcher, die spencerisch sind — aber nur als Illustration. So kann man durchaus sagen, daß er nicht im Nebulosen stehenbleibt, sondern daß er durch die Art, wie er das Religiöse als Wissenschaft behandelt, wie er es in allem sucht und als Philosophie entfaltet, durchaus an den philosophischen Begriffsentwicklungen des Westens gemessen und kritisiert werden kann.

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