Anthroposophie und Philosophie

GA 81/1922-03-07/p020 ·1922-03-07 · original (original)
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Wenn ich das bildlich zusammenfassen soll, was ich ausgeführt habe, so möchte ich sagen: In Solowjew spricht philosophisch gesehen der alte Priester, der in höheren Welten lebte und eine Art innerer Fähigkeiten zu entwickeln hatte, in diesen höheren Welten zu leben; priesterliche Sprache, nur ins Philosophische umgesetzt, fühlt man überall bei Solowjew. Im Westen, bei Herbert Spencer, spricht der Weltmann, der sich in die Lebenspraxis hineinschicken will, der — wie es ja aus der darwinistischen Theorie hervorgehen kann —- die Wissenschaft so ausbilden will, daß sie die praktische Lebensgrundlage ergeben kann. In der Mitte haben wir weder den Weltmann noch den Priester; Fichte, Schelling, Hegel, sie sind keine priesterlichen Naturen wie etwa Solowjew. In der Mitte haben wir den Lehrer, den Volkspädagogen, und zwar auch da, wo die deutsche Philosophie etwa hervorgegangen ist aus der religiösen Vertiefung; da ist der Pastor wiederum zum Lehrer geworden. Das Lehrhafte haftet auch der Hegelschen Philosophie an. Und wir sehen in der neuesten Zeit — etwa bei Oswald Külpe —, wie die Sache so geworden ist, daß nun die Philosophie, als man sie eigentlich schon verloren hatte, nichts mehr ist als eine Zusammenfassung dessen, was die einzelnen Wissenschaften geben. Man fragt bei der unorganischen Naturwissenschaft: was kommen da für Begriffe hervor?, man fragt bei der organischen Naturwissenschaft: was kommen da für Begriffe hervor?, bei der Geschichte, bei der Religionswissenschaft ebenso, und so weiter. Man sammelt diese Begriffe und bildet damit äußerlich abstrakt eine Einheit. Ich möchte sagen, was Gegenstand der Lehre in den einzelnen Wissenschaften ist, soll eine Gesamtlehre bilden. Das ist es, wozu im Grunde genommen die Wissenschaft in der Mitte nach der ganzen Veranlagung der Menschen gelangen mußte.

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Cite: GA 81/1922-03-07/p020 · edition original