Anthroposophie und Philosophie

GA 81/1922-03-07/p023 ·1922-03-07 · original (original)
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So haben wir in Mitteleuropa die Aufgabe, hinzuschauen auf das, was naturwissenschaftliche Denkweise sein kann. Dem Anthroposophen wird es übel genommen, wenn er diese naturwissenschaftliche Denkweise mit ebensolcher Liebe pflegt wie der Naturforscher selber. Nichts, gar nichts soll gegen die naturwissenschaftliche Denkweise von mir gesagt werden; es ist nur ein Mißverständnis, wenn man dies glaubt. Aber ich muß naturwissenschaftliche Denkweise eben in ihrer Reinheit sehen und dann auch versuchen, sie in ihrer Reinheit zu charakterisieren. Und da stellen sich für den, der unbefangen der naturwissenschaftlichen Denkweise gegenübersteht, die Dinge, die diese selbst darstellt — so wie etwa die westlichen Forscher sie dargestellt haben, wie es Haeckel in einer genialen Weise getan hat —, da stellen sich diese Ergebnisse westlicher Forschungsart, wenn man sie so läßt und nicht philosophisch umdeutet, nicht als Lösungen, nicht als Antworten dar, sondern sie stellen sich überall als Fragen dar. Die ganze Naturwissenschaft wird nach und nach für den Unbefangenen nicht zu einer Antwort auf Fragen, sondern sie wird zur großen Weltenfrage selbst. Überall empfindet man: Was gerade in der schönsten Weise durch diese Naturwissenschaft erforscht wird — meinetwillen bis zur Atomtheorie, die ich auch nicht negiere, sondern nur an ihren richtigen Platz stellen will —, das alles wird zu Fragen, und aus dem Westen spricht eine große Fragestellung zu uns. Woher rührt diese Fragestellung?

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