Anthroposophie und Philosophie
Im Osten empfand man das, was über dem Gedanken lebt, was zum Gedanken hinunterwirkt; aber man kam nicht dazu, es selbst so weit zum Leben zu erwecken, daß sozusagen das Fleisch auch ein Knochensystem erhielt. Solowjew war fähig, in seiner Philosophie Fleisch, Muskeln, auch Blut zu entwickeln - aber das Knochengerüst fehlt. Und daher nahm er die Hegelschen Begriffe, die Humeschen und andere und bildete damit dem, was er zu sagen hatte, ein fremdes Knochensystem ein. Erst wenn man in der Lage ist, nicht mehr ein fremdes Knochensystem zu gebrauchen, dann verwandelt sich das, was im Geistigen erlebt werden kann. So aber, wie es etwa bei Solowjew auftritt, führt es ein schattenhaftes Dasein, weil es sich nicht zum Knochensystem durchbilden und dadurch anschaulich werden kann. Wenn man dabei nicht stehenbleiben will, sich nur äußerlich ein Knochensystem zu entwickeln, sondern in der Geistigkeit lebt und sich vorbereitet durch starke geistige Arbeit, dann entwickelt man für das geistige Erleben selbst das innere Knochensystem, man entwickelt die Begriffe, die man dazu braucht. Dazu sollen jene Übungen sein, die zum Beispiel in meinen Schriften «Geheimwissenschaft», «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und anderen gegeben sind. Da entwickelt man das, was nun wirklich zu einem inneren Begriffsorganismus werden kann. Das ist dann die andere Seite der Wirklichkeit, und diese Seite der Wirklichkeit hat ihre Keime in der östlichen Philosophie Solowjews.