Anthroposophie und Philosophie
In Mitteleuropa gab es immer nur das große Problem: zwischen Natur und Geist die Brücke zu schlagen. Es ist für uns zu gleicher Zeit ein bedeutsames historisches Problem geworden: die Brücke zu schlagen zwischen West und Ost, und diese Aufgabe muß heute vor uns stehen in der Philosophie. Diese Aufgabe führt aber zugleich hinein in die Anthroposophie. Wird die Anthroposophie innerlich fähig, sich selber in dem Gedankenerleben lebendige Gestalt zu geben, dann darf sie auch auf der anderen Seite ganz materialistisch die natürliche Wirklichkeit erleben, wie man sie im Westen erlebt; denn dann wird nicht durch abstrakte Begriffe, sondern im lebendigen Wissenschaftsringen die Brücke gebaut zwischen dem bloßen Glauben und dem Wissen, zwischen dem Erkennen und der subjektiven Gewißheit. Dann wird aus der Philosophie eine wirkliche Anthroposophie entwickelt, und die Philosophie kann jederzeit von dieser lebendigen Wissenschaft befruchtet werden. Das wird die Hegelsche Philosophie erst wieder zum Leben erwecken können, wenn ihr durch das anthroposophische Erleben Lebensblut geistiger Art zugeführt wird. Dann wird nicht mehr eine Logik dastehen, die so abstrakt ist, daß sie nicht der «Geist jenseits der Natur» sein kann, wie Hegel wollte, sondern daß sie das wirklich sein kann, indem dann nicht der abstrakte, sondern der lebendige Geist von der Philosophie erfaßt wird.