Zweiter Vortrag. Die Stellung der Anthroposophie in den Wissenschaften

GA 82/1922-04-08/p006 ·1922-04-08 · original (original)
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Wir sprechen im Leben von dem dreidimensionalen Raum, und wir machen uns die Vorstellung, daß dieser dreidimensionale Raum so konstituiert ist, daß seine drei Dimensionen, wie man sagt, aufeinander senkrecht stehen. Dasjenige, was wir da im Seelenauge haben als Raum, das ist etwas, was uns zunächst ganz unabhängig vom Menschen und von der übrigen Welt vor dem geistigen Auge steht. Daß es zunächst vor den Augen des Menschen unabhängig von diesem Menschen selbst steht, das geht uns daraus hervor, daß der Mensch sich nach den Bestimmungen des Raumes als Wesen, als Individuum selber bestimmt. Er kann durchaus sagen, er sei so und so weit entfernt von irgendeinem Punkt, den er in Aussicht nimmt. Also gliedert er sich selbst in den Raum ein. Er gliedert sich wohl auch in den Weltenraum ein dadurch, daß er sich als Erdenwesen betrachtet und sich nun hineinstellt in bestimmte Sternenabstände und dergleichen. Kurz, den Raum betrachtet der Mensch zunächst als etwas Objektives, als etwas, was mit seinem Eigenwesen nichts zu tun hat. Das hat ja gerade dazu geführt, daß Kant davon gesprochen hat, der Raum sei eine Anschauung a priori, eine Anschauung, die gewissermaßen dem Menschen von vornherein gegeben ist. Er hat keine Möglichkeit, zu fragen, wodurch er diesen Raum habe. Er hat ihn einfach hinzunehmen als etwas Fertiges, in das er sich hineinzufinden hat, wenn er zum Vollbewußtsein seines Erdendaseins gekommen ist.

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