Zweiter Vortrag. Die Stellung der Anthroposophie in den Wissenschaften

GA 82/1922-04-08/p012 ·1922-04-08 · original (original)
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Was ich Ihnen hier schildere, das ist das Aufsteigen zu der sogenannten imaginativen Anschauung. Dasjenige, was wir als Raumes weit haben, das hat heute jeder Mensch, der nicht geradezu abnorm-mathematisch oder unmathematisch veranlagt ist. Dasjenige, was in gleicher Weise im Menschen leben kann, und so leben kann, daß er damit zugleich die Welt miterlebt, das kann durch Übungen im Menschen heranerzogen werden. Zu der gewöhnlichen gegenständlichen Anschauung der Dinge, in der uns die Mathematik ein sicherer Führer ist, kann die imaginative Anschauung - es ist nur ein technischer Ausdruck und bedeutet nicht «Einbildung» und «Imagination» im gewöhnlichen Sinne - hinzukommen und ein neues Weltgebiet eröffnen. Ich sagte schon gestern, daß ich noch eine besondere Übungs- und Forschungsmethode werde auseinanderzusetzen haben. Ich werde Ihnen dann zu schildern haben, was man zu machen hat, um zu einer solchen imaginativen Anschauung zu kommen, wo wir gewissermaßen ebenso, wie wir beim Räume, der allerdings zunächst keine uns im höheren Sinne interessierende Wirklichkeit enthält, dazu kommen, ihn als Gesamtanschauung zu haben, nun auch eine Gesamtanschauung des Qualitativen in der Welt haben. Dann aber, wenn wir in dieser Weise uns der Welt gegenüberstellen können, sind wir schon drinnen im übersinnlichen Schauen, auf der ersten Stufe des übersinnlichen Schauens. Das sinnliche Schauen, das ist zu vergleichen mit demjenigen Anschauen der Dinge, wo wir nicht an den Dingen Dreiecke und Vierecke unterscheiden, wo wir nicht geometrische Strukturen in den Dingen sehen, sondern einfach hinstarren auf die Dinge und ihre Formen nur äußerlich nehmen. Dasjenige Anschauen aber, das in der Imagination auftritt, ist ein solches Verwobensein mit dem inneren Wesen der Dinge, wie das mathematische Anschauen ein Verwobensein mit denjenigen Weltverhältnissen ist, die eben durchaus der Mathematik zugänglich sind.

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