{"corpus":"steiner","locus":"GA 82/1922-04-08/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Hier sehen Sie, daß ein völliges Einleben in das Mathematische durchaus dahin führt, daß man die innere Natur des Geistigen als welterfüllend in sich schon durch Mathematik aufnimmt. Das richtige Durchschauen der mathematischen Seelenverfassung führt uns direkt hinein in den Begriff des hellsichtigen Erfahrens, Erlebens. Und dann steigen wir auf zu der Imagination, um in der Weise, wie es noch geschildert werden soll, mit ihr nun wirklich das Geistige zu überschauen, das dann nicht in der gewöhnlichen, aber in der von mir hier gekennzeichneten Art geschaut werden kann, wenn wir aus der dritten in die vierte Dimension übergehen und so weiter, bis zum dimensionslosen Gebiet, dem Punkt, der geistig uns zum Höchsten führt, wenn wir ihn erst, nicht als leeren Punkt, sondern als erfüllten Punkt erreicht haben. Ich wurde einmal - es machte einen bedeutenden Eindruck auf mich - mit sonderbaren Augen angeschaut, als ein älterer Schriftsteller, der viel über geistige Dinge geschrieben hat, mich zum ersten Mal sah und frug: Wie ist Ihnen denn am ersten bewußt geworden dieser Unterschied zwischen dem Schauen der Sinneswelt und dem Schauen der übersinnlichen Welt? - Da sagte ich, weil ich am liebsten in solchen Dingen mich radikal ehrlich ausspreche: In dem Moment, wo ich den inneren Sinn der sogenannten neueren oder synthetischen Geometrie kennengelernt habe. - Also, wenn man von der analytischen zur synthetischen Geometrie übergeht, welche einem gestattet, nicht nur äußerlich an die Gebilde heranzukommen, sondern die Gebilde in ihren gegensekigen Beziehungen zu erfassen, die also von Gebilden ausgeht, und nicht von äußeren Koordinaten, bekommt man die Anregung, jene Seelenverfassung zu studieren, die dann, weiter ausgebildet, dazu führt, in die übersinnliche Welt einzudringen. Wenn wir aber nur Raumes-Koordinaten konstruieren, haben wir nicht das Gebilde erfaßt, sondern nur die Enden der Koordinaten, und dann verbinden wir diese Enden und bekommen die Linien. Aber an das Gebilde kommen wir eigentlich mit der analytischen Geometrie nicht heran, während wir mit der synthetischen Geometrie in den Gebilden darinnen leben. Da bekommen wir die Anregung, jene Seelenverfassung zu studieren, die dann, weiter ausgebildet, dazu führt, in die übersinnliche Welt einzudringen. Damit habe ich charakterisiert, inwiefern Anthroposophie durchaus damit rechnen kann, in ebenso strenger Weise von dem Mathematisieren auszugehen, wie, nur von einem anderen Gesichtspunkte, die heutige Naturwissenschaft davon ausgehen kann. Diese Naturwissenschaft verwendet die fertige Mathematik. Derjenige, der begreifen will den hellsichtigen Prozeß, muß ihn da aufsuchen, wo er am primitivsten vorhanden ist: im Gestalten des Mathematischen. Kann er ihn dann hinauftragen in höhere Gebiete, dann bildet er etwas aus, was sich zum Elementaren, Primitiven des Mathematisierens so verhält, wie die späteren mathematischen Gebiete sich zu den Axiomen verhalten. Die ersten Axiome des Hellsehens sind lebendig. Und gelingt es uns, das Mathematisieren durch Übungen auszubilden, so werden wir nicht nur räumliche Verhältnisse in der Umwelt sehen, sondern wir lernen Geistwesen, bis zur geistigen Innerlichkeit vor uns sich offenbarende Geistwesen, kennen, wie wir die innere Würfelnatur des Steinsalzes kennen. Wir lernen Geistwesen kennen, wenn wir in dieser Weise dasjenige, was wir im Mathematisieren ausbilden, hinauftragen in höhere Gebiete.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag. Die Stellung der Anthroposophie in den Wissenschaften","site_heading":null,"date":"1922-04-08","location":null,"word_count":501,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/82/1922-04-08/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/82/1922-04-08/p017"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/82/1922-04-08/p017","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}