6. Anthroposophie und Agnostizismus
Oftmals fragt man ja wohl auch: Ja, woher beweist Anthroposophie dasjenige, was sie behauptet? Derjenige, der so fragt und der deshalb, weil die gewöhnliche Beweisart in der Anthroposophie nicht vorliegt, der Anthroposophie die Wissenschaftlichkeit abspricht, der bedenkt nicht das Folgende - ich kann diese Dinge nur annäherungsweise ausführen, aber sie gelten im allergenauesten, exaktesten Sinn -: Derjenige, der zum Beweise schreitet, zeigt dadurch, daß er zum Beweise schreitet, daß für ihn dasjenige nicht in der Anschauung da ist, was bewiesen werden muß. Wir beweisen eigentlich überall da, wo wir keine Anschauung haben. Soll ich beweisen, daß gestern hier ein Mensch in diesem Raume war, so werde ich einen Beweis nur dann benötigen, wenn ich den Menschen nicht selbst hier gesehen habe. So ist es im Grunde mit allen Beweisen, so ist es auch in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit mit den Beweisen. Als in älterer, instinktiver Erkenntnis die Menschen eine Anschauung von dem hatten, was sie das göttliche Wesen nannten, da brauchten sie keine Beweise. Die Beweise für das Dasein Gottes begannen ihr Leben in der geschichtlichen Entwickelung erst dann, als die Anschauung verloren war. Beweise beginnen überall dann, wenn keine Anschauung da ist.