{"corpus":"steiner","locus":"GA 82/1922-04-12/p019","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Viele Menschen, die heute oberflächlich dasjenige kennenlernen, vielleicht sogar nur aus Schriften der Gegner, was durch die Anthroposophie vorgebracht wird, sagen dann sehr häufig, diese Anthroposophie sei eine Aufwärmung alter Weltanschauungen, zum Beispiel der Gnosis, die ja noch in den ersten christlichen Jahrhunderten geherrscht hat bei sehr vielen Menschen. Man habe es daher zu tun mit etwas, was ja durch die Zeitentwickelung der Menschheit im Grunde genommen widerlegt sei, wenigstens überwunden sei. Derjenige, der nun wirklich eingeht bloß auf das, was in diesen Vorträgen geboten worden ist, der wird gar nicht in die Versuchung kommen, wenn er andererseits die Gnosis auch kennt, diese Anthroposophie, die durchaus mit neuen Erkenntnismitteln und Erkenntnismethoden auftritt und mit dem Bewußtsein der Menschheit der Gegenwart rechnet, irgendwie zusammenzuwerfen mit der Gnosis. Diese Anthroposophie arbeitet ja so, daß sie voraussetzt die naturwissenschaftliche Entwickelung der letzten Jahrhunderte. Die Gnosis rechnete natürlich nicht damit, denn ihr Dasein ging der naturwissenschaftlichen Entwickelung voraus. Aber noch etwas anderes könnte in die Versuchung führen, Anthroposophie zusammenzuwerfen mit der Gnosis. Nur dann wird man das nicht tun, wenn man wirklich auf das Wesen der Anthroposophie eingeht. Das also, was Anthroposophie noch vielleicht zusammenwerfen läßt mit der Gnosis, das ist, daß sie nun allerdings auch in einer gewissen Weise rechnet mit dem, was in unserer Zeit eine tonangebende Weltanschauung ist, und das ist der Agnostizismus, der in einer gewissen Beziehung das Gegenbild der Gnosis ist und der auch das Gegenbild ist der Anthroposophie, aber in einer anderen Beziehung.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"6. Anthroposophie und Agnostizismus","site_heading":null,"date":"1922-04-12","location":null,"word_count":245,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/82/1922-04-12/p019","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/82/1922-04-12/p019"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/82/1922-04-12/p019","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}