{"corpus":"steiner","locus":"GA 82/1922-04-12/p020","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Diesen Agnostizismus kann man zunächst in bezug auf seinen theoretischen Aspekt charakterisieren. Er ist dann da, wenn ein Mensch so spricht, wie zum Beispiel Herbert Spencer spricht. Viele andere sind ihm gefolgt, machen es sich aber nicht voll bewußt, daß sie Agnostiker sind, sind es aber eigentlich ihrer ganzen Denkgesinnung nach. Er hat gesagt: Wir sehen die Sinneswelt um uns herum. Wir haben den Verstand, der aus Beobachtung und Experiment sich erhebt zur Anschauung der Gesetzmäßigkeiten in dieser Welt. - Man fügt dazu noch dasjenige, was man vom gewöhnlichen Bewußtsein aus als seelische Erscheinungen überblicken kann. Man sucht auch dadrinnen notdürftig, denn es geschieht nur notdürftig, irgendwelche Gesetzmäßigkeiten. Dann aber wird von denjenigen, die nicht jedes Übersinnliche einfach ablehnen, indem sie sich begnügen mit dem intellektuellen Auffassen der Sinneswahrnehmungen und der inneren Seelenerlebnisse, wie sie sich zunächst für das gewöhnliche Bewußtsein ergeben, gesagt: Ja, aber man kann nicht zu dem, was nun als irgendein Urgrund oder viele Urgründe hinter diesen Erscheinungen liegt, mit menschlichen Fähigkeiten vordringen,; man kann nicht eine wirkliche Gnosis, einen wirklichen Gnostizismus erringen, keine Erkenntnis. Man ist gerade dadurch ein aufgeklärter Mensch, daß man zugesteht, die Urgründe der Dinge können nicht erkannt, nicht erforscht werden. — Der Agnostizismus hat gerade in dieser Form weite Kreise ergriffen. Das ist auch in verschiedenen Variationen vorhanden. Dieser Agnostizismus ist nun allerdings, wenn er philosophisch auftritt, eine Art Gegensatz zur Anthroposophie, und ich könnte ja, wenn es mich danach gelüsten würde, von diesem Zeitpunkte an anfangen, mich polemisch kritisierend, schimpfend meinetwegen, je nach Temperament, gegen den zeitgenössischen Agnostizismus zu wenden. Dasjenige, was über ihn zu sagen ist, sofern er wirklich Verderbnis bringt den menschlichen Fortschrittskräften der Zivilisation, das wird man demnächst in der Zeitschrift «Die Drei» lesen können. Ich habe es ausgeführt in einem Vortrage, den ich bei einem Stuttgarter Hochschulkursus gehalten habe. Wie gesagt, man könnte auch von dieser Seite die Sache anfassen. Aber das möchte ich heute nicht, Ich möchte in diesem Agnostizismus doch auch aufzeigen etwas, was notwendigerweise einmal heraufkommen mußte in der geistigen Menschheitsentwickelung.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"6. Anthroposophie und Agnostizismus","site_heading":null,"date":"1922-04-12","location":null,"word_count":337,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/82/1922-04-12/p020","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/82/1922-04-12/p020"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/82/1922-04-12/p020","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}