6. Anthroposophie und Agnostizismus
Nun, derjenige, der in diesen Dingen tiefer sieht, der muß sich das Folgende sagen: Wir mußten einmal zu dem vorrücken in der Menschheitsentwickelung, was ich an einem der letzten Vortragsabende für die äußere Naturwissenschaft, insbesondere die anorganische Naturwissenschaft, streng verteidigt habe, wir mußten vorrücken zu dem reinen Phänomenalismus, wie ihn ja auch Goethe gefordert hat. Zu jenem reinen Phänomenalismus, der das Denken nicht mehr dazu gebraucht, um hinter den Sinneswahrnehmungen allerlei atomistische Welten, die nicht mehr wahrgenommen werden können, zu konstruieren; der das Denken lediglich dazu gebraucht, um in den Sinneswahrnehmungen zu lesen, um innerhalb der phänomenalen Welt stehen zu bleiben, die Phänomene so zu ordnen, daß sie uns als Urphänomene im Goetheschen Sinne erscheinen. Das alles ist ja in den verschiedensten Variationen in diesen Tagen hier ausgeführt worden. Ich möchte auch gar nicht sagen, daß nicht in einer großen Anzahl von Menschen der Gegenwart so etwas lebt. Trotzdem ist auf der einen Seite durchaus ein gewisses Theoretisieren vorhanden, wo wir gewissermaßen, weil wir einmal im Denken darinnen sind, den Sinnesteppich durchstoßen und mit dem Denken noch eine Weile fortrollen hinter den Sinneswahrnehmungen, wo für das Denken nichts mehr zu schaffen ist. Da statuieren wir dann Atome und allerlei anderes. Das entspricht einer Art Gesetz der Trägheit. Das Denken wird gemäß unserer gegenwärtigen Stellung, unserem gegenwärtigen Verhältnis zur Welt, eigentlich nur so anwendbar sein, daß wir es im Dienste der Gruppierung, der gegenseitigen Interpretation der Phänomene anwenden können, also innerhalb der phänomenalen Welt bleiben, gewissermaßen die Phänomen ablesen und nicht den Dingen allerlei Erklärendes unterlegen.