6. Anthroposophie und Agnostizismus
Die Anthroposophie fügt zu dem passiven Verarbeiten der Welt im Phänomenalismus den Aufschwung durch Imagination, Inspiration, Intuition dazu und kommt dadurch sogar zu einer wirklichen Erfassung desjenigen, was als Übersinnliches sich hereinlebt in unser geschichtliches Dasein. Sie kommt zu einer wirklichen Erfassung des Mysteriums von Golgatha. Sie kommt zu der Erfassung des Mysteriums von Golgatha so, daß sie schauen kann, wie das reine, göttliche Wesen, das Christus-Wesen, Besitz ergriffen hat von dem Leibe des Jesus von Nazareth. Dadurch gewinnen wiederum die Vorstellungen von der Auferstehung, vom Verbundensein des lebendigen Christus mit unserer menschlichen Erdenentwickelung, eine reale Bedeutung, während im Grunde genommen es ein tief Bezeichnendes ist, daß Theologen, die als aufgeklärt gelten in der neuesten Zeit, gesagt haben: Ja, man müsse eben betrachten das Leben des Jesus. Die Auferstehung, die sei als ein Glaube zwar entstanden, aber man könne eben nur von einem entstandenen Glauben sprechen. Was da eigentlich geschehen sei im Garten von Gethsemane, davon könne man eigentlich nicht sprechen. - Anthroposophie wird wiederum reden von diesen Dingen, die als übersinnliche nur erfaßt werden können, die eben nicht erfaßt werden, wenn man sie mit den gewöhnlichen, der Sinneswelt entnommenen, historischen Methoden erfassen will. So könnte ich lange sprechen über die Abstumpfung unseres religiösen Lebens durch den heute verbreiteten Agnostizismus. Das will ich aber nur andeuten. Es ist schon an anderer Stelle ausgeführt worden.