{"corpus":"steiner","locus":"GA 82/1922-04-12/p038","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sie sehen, dasjenige, was getan werden muß, ist nicht ein blindes Schimpfen auf den Agnostizismus, denn er ist in einer gewissen Beziehung nur die andere Seite des Phänomenalismus. Wir lesen in den Naturerscheinungen, aber wir finden in ihnen, wenn wir bloß lesen, nicht dasjenige, was wir suchen müssen auf den höheren Erkenntnispfaden. Aber eben deshalb brauchen wir sie voll erst dann, wenn wir nicht mehr instinktiv aus unserer Menschennatur dasjenige herausbringen, was die Impulse unseres Denkens sind. In älteren Zeiten, auch noch in den Zeiten der Gnosis, hat der Mensch, wie er Hunger und Durst aus sich hervorbrachte, auch das aktive Denken aus seinem Inneren herausgeboren. Da war er auch noch nicht im modernen Sinne ein Techniker. Das wird man erst dann, wenn man äußerlich in der Materie den reinen Gedanken verkörpert. Ich bin sogar - verzeihen Sie, daß ich das sehr Persönliche noch vorbringe -, ich bin sogar überzeugt: Würde ich im gewöhnlichen Sinne Philosophie studiert haben, statt daß ich an einer technischen Hochschule erzogen worden bin und mich hineingefunden habe gerade in dieses technische Leben der Gegenwart, so würde ich nicht die «Philosophie der Freiheit» geschrieben haben, denn die ist eben der Gegenpol zu dem Erleben der reinen Tatsache. Und die reine Tatsache, die im äußerlich Mechanistischen erlebt wird, die dann auch zum Phänomenalismus führt, ist durchaus das, was auf der anderen Seite erst den vollen Gegenpol hervorruft. Sonst bringt man immer aus sich heraus auf instinktive Art etwas, was doch kleine Dämonen in die Uhr hineinträumt. Das wirklich Geistige, das sucht man erst durch innerliche Erkenntniskräfte, die man sich erst erringen muß, wenn man nicht mehr durch instinktive Kräfte herantreten kann an unsere physische Umgebung und da hineinbringt dasjenige, was sich eben aus der instinktiven Anschauung ergibt. So ist das Zeitalter der Technik mit seinen Maschinen auf der einen Seite gerade der fruchtbare Boden für eine geistgemäße, eine anthroposophische Weltanschauung. Und in diesem Sinne muß gerade aus einer recht unmystischen Anschauungsweise der Welt auf der anderen Seite die klare Geisterkenntnis durch Anthroposophie hervorgerufen werden. Es muß hinzugefunden werden nicht eine neue Gnosis — die wäre etwas, was auf instinktivem aktivem Denken beruht -, sondern es muß ein Suchen nach der wirklichen Geistigkeit im äußeren Sinnlichen und im inneren Menschlichen auf einem nun durch Übungen zu erlangenden Erkenntnispfade hinzutreten.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"6. Anthroposophie und Agnostizismus","site_heading":null,"date":"1922-04-12","location":null,"word_count":381,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/82/1922-04-12/p038","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/82/1922-04-12/p038"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/82/1922-04-12/p038","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}