{"corpus":"steiner","locus":"GA 82/1922-04-12/p041","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Mit den Wissenschaftern selbst ist es immer auf eigentümliche Art gegangen. Ich sehe noch manchen vor mir sitzen - ich spreche gerne konkret -, sehe zum Beispiel einen Botaniker vor mir sitzen. Er war in jenem Sinne, der Ihnen vielleicht auch bekannt ist, in dem Sinne des orientalisierenden Mystizismus, wie er zum Beispiel in theosophischen Gesellschaften herrscht, Theosoph. Ich hatte einen der gelehrtesten Botaniker vor mir, da lag es mir nahe, mit dem Herrn über Botanik zu sprechen. Für mich war es etwas Natürliches. Aber davon wollte er nichts hören. Nein, nein, Botanik muß bleiben, was sie ist im Universitäts-Kabinett, nicht nur bei ihm, sondern auch bei anderen Botanikern. Sie soll bleiben eben in der Art und Weise, wie man durch die Botanisiertrommel sich die praktischen Kenntnisse erwirbt und mit dem Mikroskop arbeitet. Da soll mir der nicht dreinreden! Sofort, wenn ich angefangen habe ein botanisches Thema, redete er von Ätherleib, Astralleib und noch höheren Leibern. Es war in dieser theosophischen Bewegung ja die Regel, daß man zunächst von allen möglichen Leibern redete, bis weit hinauf, da wurden sie immer nebliger und nebliger. Man charakterisierte die Dinge nicht so, wie ich es hier getan habe, indem ich darauf aufmerksam machte, daß der Ätherleib ein Zeitorganismus ist, indem ich versuchte, konkret die Sache hinzustellen, indem ich den Astralleib charakterisierte als dasjenige, was aus dem Geistig-Seelischen hereinkommt und den Leib innerlich ausgestaltet. Nicht wahr, ich habe auf die Charakteristik des Schlafes hinzuweisen versucht, wenn auch noch unvollkommen. Ich habe immer Konkretes zu charakterisieren versucht. Aber bei solchen Leuten, wie ich sie jetzt meine, interessierte man sich nicht dafür. Wenn man nur die Worte hatte dafür: Physischer Leib, Ätherleib, Astralleib, dann weiter Kama Manas, und dann ging es in die höchsten Regionen hinein, die wurden immer dünner und dünner, blieben aber immer materiell. Es war ein merkwürdiger theosophischer Materialismus, der mir besonders einmal kraß entgegentrat, als ich bei einem theosophischen Kongreß war in Paris. Da wurden verschiedene Vorträge gehalten. Ich frug eine Persönlichkeit, die eigentlich sehr advanced war, sehr vorgerückt, wie ihr die Vorträge gefallen hätten. Sie sagte: Ja, das hat wunderbare Vibrationen zurückgelassen, wunderbare Schwingungen. - Ich kam mir vor, als hätte sie gesagt: Man riecht nach diesen Vorträgen in diesem Raume außerordentlich Gutes. — Es war alles ins Materielle übertragen. Vom wirklichen Geiste wußte man nichts. Und der Mann, von dem ich eben sprach, ging auch immer auf dasjenige aus, was in dieser Richtung gelegen war. Ich immer los auf irgend etwas anderes, zum Beispiel die Geheimnisse der Wurzelbildung, der Stengelbildung, der Blütenbildung, die Spiraltendenz der Pflanzen, ihre Keimbildung oder dergleichen. Nichts, nichts - da darf Anthroposophie nicht hinein, weg damit! Da kam immer wieder gleich der Astralleib und Buddhi und Atma, und die Runden und die Globen und alles das, was da in der Welt sich herumwälzt in diesem Sinne. Kurz - ich führe dies nur als konkrete Beispiele an -, es war eigentlich ziemlich vergebens, an die Wissenschafter in ihrer eigenen Wissenschaftlichkeit heranzukommen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"6. Anthroposophie und Agnostizismus","site_heading":null,"date":"1922-04-12","location":null,"word_count":494,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/82/1922-04-12/p041","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/82/1922-04-12/p041"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/82/1922-04-12/p041","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}