Anthroposophie und Kosmologie
Und von solch einem Gesichtspunkt aus möchte ich heute zunächst die Frage aufwerfen: Nehmen wir einmal an, jene Grenzen der Naturerkenntnis, von denen seit Dw Bois-Reymond auch in naturwissenschaftlichem Sinn gesprochen wird, die heute allerdings anders angesehen werden, als sie Du Bois-Reymond vor einem halben Jahrhundert angesehen hat, wären nicht vorhanden: wie würde der Mensch der Welt gegenüberstehen? Nehmen wir an, daß das theoretische Erkenntnisvermögen, das sich im Menschen dadurch auslebt, daß er seine Begriffe mit den Beobachtungen und den Ergebnissen der Experimente verbindet, um dadurch zu einer Weltgesetzlichkeit zu kommen, ohne weiteres auch in das Reich des Organischen eindringen könnte, so würde es dann, wenn es bis zum Leben vordringen könnte, kaum haltzumachen brauchen vor den weiteren Steigerungen des Daseins, vor dem Seelischen, dem Geistigen. Nehmen wir also an, das gewöhnliche Bewußtsein, das wir in den Wissenschaften anwenden, mit dem wir uns im gewöhnlichen Leben in unserer Arbeit bewegen, wäre jederzeit imstande, nicht nur gewissermaßen an die Außenseite der Welt heranzutreten, sondern es würde unter die Oberfläche der Dinge, hindurch zu dem inneren Wesen der Dinge jederzeit vordringen können, wie müßte, wenn also eine solche Erkenntnisgrenze nicht vorhanden wäre, der Mensch geartet sein? Nun, er würde der Welt so gegenüberstehen, daß gewissermaßen sein ganzes Wesen, das er in sich erlebt, stets wie mit seelisch-geistigen Fühlhörnern überall untertauchen würde. Vielleicht wird es heute noch manchem paradox erscheinen, aber eine unbefangene Weltanschauung und eine Anschauung des Verhältnisses des Menschen zur Welt wird besagen können: Ein Wesen, das in dieser Weise für sein gewöhnliches Erdenbewußtsein keine Grenze hätte, das müßte entbehren der Liebefähigkeit.