{"corpus":"steiner","locus":"GA 83/1922-06-05/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Und wenn wir bedenken, was für unser ganzes Leben die Liebefähigkeit bedeutet, was wir im Leben dadurch sind, daß wir lieben können, dann werden wir uns auch sagen: wir wären für diese Erde zwischen Geburt und Tod nicht Menschen in dem Sinn, wie wir es eben sein müssen, wenn wir die Liebe nicht hätten. Aber die Liebe fordert ja, daß wir als eine in uns abgeschlossene Individualität der anderen Individualität, gehöre sie welchem Reiche der Natur auch immer an, gegenüberstehen, daß wir nicht mit unserem hellen, klaren Denken untertauchen in die andere Individualität, sondern daß gerade in dem Moment, wo wir die Liebe entfalten, unser Sein rege wird: dasjenige, was nicht aufgeht in den durchsichtigen, klaren Begriffen. In jenem Augenblick würde die Liebe aufhören, wo wir mit hellen, klaren Begriffen untertauchen könnten in die andere Individualität. Da der Mensch eben ein liebendes Wesen sein muß nach seiner Erdenaufgabe und da beim Menschen, indem er eine Fähigkeit hat, durch diese sein ganzes Wesen konstituiert wird, so muß man sagen: Der Mensch muß eben so sein, daß er die Grenzen gegenüber der Außenwelt haben muß für seine Erkenntnis, daß er nicht untertauchen kann unter diese Grenzen der Erkenntnis, um hier auf der Erde seine Aufgabe zu erfüllen in seinem gewöhnlichen Bewußtsein. Was ihm eignet, damit er ein liebendes Wesen sein kann, zeigt sich auf der anderen Seite in seiner gewöhnlichen Erkenntnis, die stillehalten muß an der Grenze, die uns gezogen werden muß, damit wir liebefähige Wesen sein können.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Anthroposophie und Kosmologie","site_heading":null,"date":"1922-06-05","location":null,"word_count":246,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/83/1922-06-05/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/83/1922-06-05/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/83/1922-06-05/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}