Anthroposophie und Kosmologie
Zunächst stellt sich allerdings das Folgende heraus: Was der im Nebulosen fischende Mystiker sucht, das sind im Grunde genommen verwandelte Erinnerungsvorstellungen; aber oftmals mischt sich in diese verwandelten Erinnerungsvorstellungen etwas hinein von Ergebnissen einer organischen Tätigkeit. Nur weiß er das nicht. Er glaubt, den inneren Spiegel, der der Erinnerung zugrunde liegt, zu durchstoßen. Er durchstößt ihn nicht. Wie Wellen schlagen von der anderen Seite auf diesen Spiegel die Prozesse unseres organischen Wesens an. Er merkt nicht, was da eigentlich geschieht, er merkt nur die Veränderung der sich spiegelnden Erinnerungsvorstellungen. Man muß, ohne sich dadurch etwa der Philistrosität schuldig zu machen, schon manches Schöne, Poetische, Mystische ins Prosaische verzerren und sagen: Gar manches, was dieser oder jener Mystiker auf diese Weise aus seinem Seelischen hervorgeholt hat, ist nicht irgendwie ein Ausdruck geistigen Daseins, sondern es ist nur — auf die Weise, wie ich es geschildert habe —- ein Ergebnis des Wogens der inneren organischen Vorgänge. Wunderbare mystische Darstellungen älterer und neuerer Zeit — die an solchem ein Wohlgefallen haben, können einen außerordentlich poetischen Eindruck haben —sind im Grunde genommen für den, der unbefangen die Dinge zu durchschauen vermag, nichts anderes als der Ausdruck innerer Vorgänge in der Menschennatur selber. Es erscheint philiströs, wenn man sagen muß: Da tritt etwas Mystisches auf, es kommt einem poetisch vor und ist dennoch für den, der die Sache durchschauen kann, die Hineinwirkung gewisser Lebensprozesse in die Erinnerungsvorstellungen. Für den, der im Ernst erkennen will, wird die Sache dadurch nicht etwa wertlos. Denn nicht dadurch, daß irgend etwas für das befangene Gemüt in wohlgefälliger Weise dargestellt ist, ist es eine Wahrheit, sondern dadurch daß man nach und nach versucht, wirklich auf den Grund der Dinge zu kommen.