Anthroposophie und Kosmologie
Um allerdings in diesen Dingen immer unbefangener und unbefangener zu werden, dazu gehört, daß man auf die menschliche Natur nicht in der Weise hinsieht, wie das heute gewöhnlich der Fall ist. Man zergliedert heute den Menschen in bezug auf sein Knochensystem, sein Muskelsystem, sein Nervensystem und definiert dann als Wesen des physischen Menschen, was sich so ergibt. Man hat dann den Menschen geradeso vor sich, als ob er ein Wesen wäre aus festen materiellen Grundlagen. Aber es weiß doch jeder heute, daß der Mensch im wesentlichen nicht aus festen Bestandteilen besteht, daß er zum größten Teil, gegen neunzig Prozent, eigentlich eine Wassersäule ist. Es weiß heute jeder, daß das, was ich in diesem Augenblicke als Luft eingesogen habe, vorher draußen in der Welt war, daß das, was ich jetzt in mir drinnen an Luft habe und was in mir arbeitet, dann wieder draußen sein wird und der Welt angehörig sein wird. Und endlich kann sich jeder vorstellen, wie der Mensch in seiner Organisation einen fortwährenden Wärmeumsatz hat. Und wenn wir den Menschen so anschauen, dann entfestigt er sich uns, dann kommen wir allmählich los von der Illusion, von der wir wissen, daß sie eine ist, die wir aber doch vor die Seele hinstellen, als ob der Mensch betrachtet werden könnte, wie wir ihn hinzeichnen in der Anatomie. Wir kommen dahin, ebenso berechtigt das Flüssige im Menschen als zu seinem Wesen gehörig zu betrachten, das, was vibrierend, wellend, gestaltend im Flüssigkeitsmenschen vor sich geht. Wir kommen dazu, einzusehen, daß auch in der Luftgestalt des Menschen etwas vor sich geht, was zu diesem menschlichen Wesen gehört. Und endlich kommen wir vielleicht dazu, zu begreifen, daß die Luft, die in unserem Innern vibriert, wellt, auf und ab wogt, sich hineinergießt in unsere Aderströmungen und so weiter, innerlich arbeitet, in der mannigfaltigsten Weise durchzogen wird von Stellen, die erwärmt, von Stellen, die erkaltet sind.