Anthroposophie und Kosmologie

GA 83/1922-06-05/p038 ·1922-06-05 · original (original)
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Man braucht nur folgendes zu sagen, wenn es sich auch trivial anhört: Es wird sehr häufig die sogenannte Kant-Laplacesche Theorie, die heute allerdings modifiziert ist — die Theorie, wie sich aus einem gasförmigen Weltennebel die einzelnen Glieder des Sonnensystems abgespalten haben —, dadurch illustriert, daß man einen Öltropfen nimmt, ein kreisförmiges Kartenblatt durchsteckt, eine Stecknadel daran befestigt und mittels der Stecknadel den Öltropfen in Drehung bringt. Dann sondern sich die einzelnen Tröpfchen ab, die um den Haupttropfen weiterkreisen. Es bildet sich ein Weltensystem im kleinen, und man kann sagen, wenn man auf dem Standpunkt des gewöhnlichen Wissenschafters steht: Das hat sich auch im großen draußen so abgespielt. Aber es ist dennoch wahr, was dagegen zu sagen ist: Derjenige, der so etwas zur Veranschaulichung der Entstehung unseres Sonnensystems zeigt, müßte auf alle einzelnen Faktoren Rücksicht nehmen, und wenn das der Fall ist, dann müßte er auch Rücksicht nehmen auf den Herrn Lehrer, der da steht und den Öltropfen in Rotation bringt. Und er müßte einen riesigen Lehrer in den Weltenraum hinaussetzen, der dann an dem Weltennebel drehte. Das ist aber bei dem obigen Experiment vergessen worden. Es ist ja sehr schön, wenn man sich selbst vergißt im sonstigen Leben, aber beim Experiment, beim Veranschaulichen wichtiger und ernster Fragen darf man solche Dinge, in diesem Fall sich selbst, nicht vergessen. Nun, die Welt- und Lebensauffassung, die hier vertreten wird, vergißt diese Dinge nicht. Sie sieht hin auf das Berechtigte der Naturwissenschaft, fügt aber hinzu, was im Geist erschaut werden kann. Da findet man allerdings nicht eine Riesenindividualität, aber eine geistig-seelische Welt, die in die materielle Entwickelung hineingesetzt werden muß. Und da durchdringt man das, was vielleicht mit Recht als Kant-Laplacescher Urnebel hingestellt wird, mit den in diesem Nebel wirtkenden geistig-seelischen Wesenheiten und geistig-seelischen Kräften. Und man durchdringt das, was aus der Erde wird bei dem sogenannten Wärmetod, von dem die heutige Wissenschaft spricht, mit geistig-seelischen Wesenheiten und geistig-seelischen Kräften, die dann beim Wärmetod das Geistig-Seelische hinaustragen in andere Welten, wie das Geistig-Seelische des Menschen hinausgetragen wird in andere Welten, wenn der Körper in irdische Elemente zerfällt. Dadurch aber wird ein Wichtigstes für unsere Zeit erreicht.

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Cite: GA 83/1922-06-05/p038 · edition original