Anthroposophie und Kosmologie
Aber vor einem ernsten seelischen Leben kann das nicht bestehen. Und im Unbewußten ernster Menschen der Gegenwart lebt es deshalb doch, daß sie fühlen, wenn sie es sich auch nicht gestehen: Da ist die Erde aus rein Materiellem heraus entsprungen. Aus diesem Materiellen geht etwas hervor wie ein Schaumgebilde. Da steigen Wolkengebilde heraus, ja Gebilde, die dünner sind als Wolken, die nur Illusionen sind. In diesen leben auch die wertvollsten Inhalte, die wir als Menschen aufnehmen können, alle Kulturinhalte, mit. Dann leben wir weiter, dann kommt einmal der Übergang der Erde in den Wärmetod, der gefunden werden kann auf äußerlich naturwissenschaftlichem Wege. Und dann ist doch alles Leben auf der Erde wie in einem großen Friedhof begraben. Was als das Wertvollste auferstanden ist aus unserem Menschenleben, unsere schönsten, würdigsten Ideale, ist mitbegraben mit dem, was materielle Wesenheit der Erde war. — Man kann sagen, man glaube das nicht. Aber wer es ehrlich nimmt mit dem, wie man heute über diese Dinge oftmals denkt, indem man ein selbständiges geistiges Forschen ablehnt, müßte eigentlich zu jener inneren Zerrissenheit, zu jenem Pessimismus kommen, der sich auftut gegenüber der Frage: Was soll aus unserem geistig-seelischen Schaffen werden, wenn wir die Welt nur im materiellen Sinne betrachten, wie wir das in der sogenannten exakten Wissenschaft gewöhnt sind? — Deshalb klafft in unserer Zeit eine so breite Kluft zwischen dem religiös-moralischen Leben und der natürlichen Anschauung der Dinge.