Die physische Welt und die moralisch-geistigen Impulse Vier Stufen des inneren Erlebens

GA 84/1923-04-21/p007 ·1923-04-21 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

So steht also auf der andern Seite das Dasein in den Gedanken und Empfindungen, das nicht sogleich als ein reales wirkt, und aus diesen Gedanken und Empfindungen heraus kommt ja für den Menschen, gewissermaßen herausflutend, die moralische Welt, die Welt der moralischen Impulse. Wenn der Mensch die Welt in ihrer Zweiheit so anschaut — einmal das derb Materiell-Konkrete, was für ihn zunächst das Wirkliche ist, dann die in ihrer Wirklichkeit zweifelhaften Gedanken und Empfindungen, welche die moralischen Impulse enthalten —, so hat es für ihn etwas, man möchte sagen, Bedrückendes, wenn er nun hinschaut und naturwissenschaftlich bewiesen findet, daß durch die Erhaltung von Materie und Kraft das äußerlich Wirkliche eine gewisse Ewigkeit hat, daß aber das, was sich als moralische Weltordnung heraushebt aus den bloßen Gedanken und Empfindungen, dann vernichtet wird innerhalb eines gewissen großen Friedhofes im materiellen Dasein, der ja aus der hypothetischen Verfolgung der Naturerscheinungen unbedingt hervorgeht. Es steht vor dem gewöhnlichen Bewußtsein eben als eine Zweiheit da die materielle Welt auf der einen Seite, die moralisch-geistige Welt auf der andern Seite, und der Mensch steht innerhalb dieser Welt, oder eigentlich dieser zwei Welten, die so wenig miteinander zu tun haben. Er steht darinnen, er ist mit der einen Seite seines Wesens übergeben der materiellen Welt, in welcher seine Ernährungsvorgänge vor sich gehen, in welcher aus den Ernährungsvorgängen heraus sich seine Triebe erheben, in welcher seine Sinne Eindrücke empfangen, in welcher sein Verstand die Sinneseindrücke kombiniert. Der Mensch wird sich bewußt, daß er dieser materiellen Welt angehört, er wird sich aber auch bewußt, daß seine Menschenwürde nur erfüllt ist, wenn für ihn eine reale Bedeutung hat, was an moralisch-geistigen Impulsen ihm aus den in bezug auf ihre Wirklichkeit strittigen Gedanken und Empfindungen erfließt.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/84/1923-04-21/p007.json
Cite: GA 84/1923-04-21/p007 · edition original