{"corpus":"steiner","locus":"GA 84/1923-04-30/p004","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun aber wird jeder, der das geistige Leben seit Jahrzehnten mitgemacht hat und der angesehen hat, wie sich dieses geistige Leben heraufentwickelt hat im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte, nicht anders können, als dasjenige, was heute als Erkenntnis angesehen wird, gewissermaßen zu rechtfertigen gegenüber der Naturwissenschaft. Die Naturwissenschaft hat ja in bezug auf Erforschung der äußeren Sinnenwelt so Großartiges geleistet; sie hat so Großartiges geleistet in bezug auf Anwendung von Instrumenten, von Experimentiermethoden für die Erforschung dieser äußeren Sinnenwelt und ihrer großen Gesetze und sie hat erhärtet und bekräftigt dasjenige, was sie erkannt hat, durch die mannigfaltigen empirisch-technischpraktischen Anwendungen, ohne die wir uns ja unser modernes Leben gar nicht mehr denken können. Diese Naturwissenschaft geht davon aus, eine Erkenntnis von der Welt zu gewinnen, die so unabhängig wie möglich ist von dem, was der Mensch aus seinen Wünschen und aus seinen Vorurteilen und Vorempfindungen zu den Erkenntnissen des Wesens der Dinge und der Weltvorgänge hinzubringen kann. Und gerade durch die Ausschaltung alles persönlichen Wesens hat die Naturwissenschaft ihre ganzen Erfolge erzielt. Nun wird aber gerade derjenige, der ganz ehrlich auf dem Boden der Naturwissenschaft steht, der durchschaut, wie segensreich diese Naturwissenschaft eben für die Erkenntnis der äußeren Natur gewirkt hat, aus der Handhabung der angewendeten Methoden heraus sich immer mehr und mehr sagen müssen: Zu denjenigen Regionen, in denen das menschliche Seelisch-Geistige waltet, kann gerade die Naturwissenschaft, wie sie sich heute ausgebildet hat, nicht vordringen. Man möchte sagen, nicht wegen ihrer Mängel, sondern gerade wegen ihrer Vorzüge.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Menschenentwickelung und Menschenerziehung im Lichte der Anthroposophie","site_heading":null,"date":"1923-04-30","location":null,"word_count":249,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/84/1923-04-30/p004","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/84/1923-04-30/p004"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/84/1923-04-30/p004","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}