{"corpus":"steiner","locus":"GA 84/1923-04-30/p007","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"So steht derjenige, der heute die großen Fragen des menschlichen Seelendaseins aufwirft, ich möchte sagen, zwischen zwei Klippen, welche der Erkenntnis unübersteigliche Grenzen zu setzen scheinen: die naturwissenschaftliche auf der einen Seite, die mystische auf der anderen Seite. So viel aber auch die Mystik verspricht, so Schönes und Großartiges auch von vielen Mystikern heraufgeholt wird aus der menschlichen Seele, vor einer wirklich an der Wissenschaft geschulten und disziplinierten Erkenntnis konnten die meisten mystischen Versuche eben nicht bestehen. Denn derjenige, der durch die gewissenhaften Methoden der Naturwissenschaft gewöhnt worden ist, alle Dinge zu beurteilen, auch die im Menschen selbst sind, der findet alsbald, wie dasjenige, was der Mystiker oft aus den Tiefen seiner Seele herausholt, dennoch nichts anderes ist, als dasjenige, was er vielleicht in irgendeiner Weise an Jahren weit zurückliegend in der Außenwelt an Vorstellungen, an Gefühlen erhalten, erworben hat, welche dann von ihm noch vielleicht durch eine schön wirkende Phantasie zu gewaltigen Bildern angewachsen sind, welche Vorstellungen und Gefühlsinhalte dann aber, indem sie sich in die Tiefen des Menschenwesens herabgesenkt haben, von dem Organismus des Menschen, der für die äußere Erkenntnis einen so geheimen sinnvollen Zusammenhang mit dem Seelischen hat, verändert worden sind. Und gerade dem tiefen Seelenkenner offenbart es sich, wie dasjenige, was man, auf mystische Weise gewonnen, für ewig hält, nichts anderes ist, als verändertes, ja, durch den menschlichen Organismus selbst verändertes Erinnerungsergebnis.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Menschenentwickelung und Menschenerziehung im Lichte der Anthroposophie","site_heading":null,"date":"1923-04-30","location":null,"word_count":226,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/84/1923-04-30/p007","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/84/1923-04-30/p007"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/84/1923-04-30/p007","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}