Die Menschenentwickelung und Menschenerziehung im Lichte der Anthroposophie
Da ergibt sich zum Beispiel Folgendes: Wir denken ja immer nach, wie eigentlich die Schicksalswirkung des Seelisch-Geistigen im Physisch-Leiblichen des Menschen sein könnte. Aber wir beachten nicht, daß wir ja für solche Fragen nicht die Methoden der Spekulation anwenden sollen, sondern auch auf solche Fragen die Methoden der Beobachtung anwenden sollen. Wenn wirkliche Menschenbeobachtung menschlich entwickelt ist, dann sehen wir — ich spreche da vom populären Gesichtspunkte —, wie in dem ersten Lebensalter des Kindes, von der Geburt bis zum Zahnwechsel, in einer wunderbaren Weise gerade die bedeutendsten Fähigkeiten des Menschen sich herauslösen aus unbestimmten Tiefen seines Wesens. Wir sehen, wie jene Dynamik sich entwickelt, durch die der Mensch sich als ein aufrecht gehendes Wesen in seinem Gleichgewicht in die Welt hineinstellt, wie die Sprache, wie das Denken herauskommt aus der Tiefe des Seelenwesens und sich körperlich auslebt. Aber das, was wir sehen, es gipfelt organisch im Zahnwechsel. Dieser hat ja das Eigentümliche an sich, daß er ein einmaliges Ereignis im menschlichen Leben ist. Es wiederholt sich nicht, was im Zahnwechsel geschieht. Gewissermaßen ein Schlußpunkt wird mit einer Summe von Kräften in die menschliche Organisation gemacht. Nur derjenige, der diese menschliche Organisation nicht kennt, kann glauben, daß der Zahnwechsel für sich allein dasteht. Nein, er steht nicht für sich da, er steht da als der äußerlich wahrnehmbare Ausdruck für das, was im ganzen menschlichen Organismus vor sich geht. Der Mensch macht etwas durch, was er im späteren Leben nicht mehr durchmachen wird, sonst würde er ja in periodischer Reihenfolge immer die Zähne wechseln. Aber derjenige, der den Menschen beobachtet, kennt diese bedeutende Verwandlung des geistig-seelischen Wesens des. Menschen in jenem Zeitabschnitt. Aber man beachtet jenen Umschwung nicht, der sich in dieser Lebensepoche des Menschen vollzieht. Sollte ich das darstellen, was die Pädagogen und Didaktiker wissen sollten, was der Menschenerkenntnis, von der ich hier sprechen will, zugrunde liegt, so würde das weit über den Rahmen eines Vortrages hinausgehen, und daher will ich bloß skizzieren.