Wie Erlangt Man Erkenntnis der Übersinnlichen Welt?

GA 84/1924-05-26/p014 ·1924-05-26 · original (original)
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Die erste neue Welt, die man wahrnimmt, ist die Welt des eigenen letzten Erdenlebens. In einem mächtigen Tableau, majestätisch dastehend, alles dasjenige, was der Zeit nach hintereinander war — gleichzeitig wie in einem Panorama -, steht unser Erdenleben von dem gegenwärtigen Zeitpunkt, in dem wir leben, durch Rückblick bis zur Geburt vor uns. So, wie sonst im Raume die Dinge nebeneinander stehen, so steht in dieser Rückschau das Erlebnis, das wir zum Beispiel im achten Lebensjahredurchgemacht haben, gleichzeitig da mit demjenigen, was wir im zwanzigsten, fünfzigsten Lebensjahre durchgemacht haben. Die Zeit wird wie zum Raume. Und was wir da in anschaulichen Bildern in einem majestätischen Lebenspanorama erleben, lernen wir gut unterscheiden von gewöhnlicher Erinnerung. Die gewöhnliche Erinnerung, die wir in einzelnen Gedanken, Vorstellungen, Bildern aus unserem Menschenwesen hervorholen, ist schwach und blaß. Dasjenige, was wir so überschauen, das ist vollinhaltlich, mächtig koloriert, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf. Aber es erscheint uns auch alles so, wie uns äußere Dinge erscheinen. Wir wissen nun in der Überschau eines sich allerdings etwas ausdehnenden Augenblickes, wie unser Leben auf einen Seelenblick hin erscheint. Und da zeigt sich uns, daß in uns wallt und webt in jedem Augenblick unseres Erdendaseins seit unserer Geburt, oder besser gesagt seit unserer Konzeption, ein Geistig-Seelisches. Dieses Geistig-Seelische verdichtet sich zur Wachstumskraft, zur Ernährungskraft, zu all dem, was in unserem physischen Leibe wallt und webt, aber es ist zuletzt ein Geistiges, das wir schauen, indem wir also zur ersten Stufe der übersinnlichen Erkenntnis aufsteigen. Wir lernen aber zugleich damit erkennen, außer unserem eigenen ätherischen Leibe, die ätherische Welt, die um uns herum ist und der unser ätherischer Leib angehört; wir lernen erkennen, wie anders wir uns verhalten zu dieser ätherischen Welt - die so da ist wie die physische — als zur physischen Welt. In der physischen Welt ist das Ding da, ich bin da. Ich spreche von den physischen Dingen als einem streng von mir Geschiedenen; ich weise darauf hin. Mit der ätherischen Welt bin ich durch meinen Ätherleib so verbunden, wie ein Glied meines Organismus mit dem ganzen Organismus verbunden ist. Und so wie ein Glied, mein Finger, sich aussondert aus meinem Organismus, so sondert sich der Atherleib von dem ätherischen Universum aus, aber er bildet doch ein Glied darinnen. Wir sind viel mehr eine Einheit mit derjenigen Welt, die hinter der physischen Welt steht, als der physische Leib mit der physischen Welt eine Einheit bildet. Das ist die erste Stufe der übersinnlichen Welt, und das ist auch die erste übersinnliche Welt, die wir erreichen auf dem Wege zur übersinnlichen Erkenntnis. Weiter kommt man mit der Stufe der übersinnlichen Erkenntnis, die ich bisher geschildert habe, nicht, als bis zur Einsicht in dieses Wesen der Menschennatur, das von der Geburt bis zum Tode als eine Einheit sich entwickelt, sich wandelt, aber dauernd bleibt während unseres ganzen Erdenlebens hindurch, während die einzelnen Stoffe, die wir aufnehmen, von uns aufgenommen werden, wiederum von uns ausgestoßen werden, so daß wir als physischer Mensch uns stets erneuern, auch während unseres Erdenlebens. Dasjenige, was ätherischer Leib ist, bleibt von der Geburt bis zum Tode als Einheit vorhanden.

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Cite: GA 84/1924-05-26/p014 · edition original