Wie Erlangt Man Erkenntnis der Übersinnlichen Welt?
In dem vorhin genannten Buche bezeichnete ich diese zweite Stufe der übersinnlichen Erkenntnis nach einem alten Wortgebrauch, an dem man sich nicht stoßen muß — man braucht eine Terminologie — als die inspirierte Erkenntnis. Kommt man zu einer inspirierten Erkenntnis, so erlebt man sich gewissermaßen noch in einem dritten Menschen. Zuerst steht der physische Mensch da, dann der ätherische Mensch, nun erlebt man sich in einem dritten Menschen. Aber indem man sich in diesem dritten Menschen erlebt, weiß man sich nicht nur wie mit dem erkrafteten, imaginativen Denken unabhängig von seiner Leiblichkeit, sondern völlig außerhalb seiner Leiblichkeit. Man hat den Zustand erreicht, den man nennen kann: Leben im Geiste außerhalb des physischen Leibes. Dann ist der Mensch auch imstande, den ätherischen Leib zu verlassen, das heißt, wie er im leeren Bewußtsein überhaupt allen, auch imaginativen Inhalt getilgt hat, so dieses Lebenstableau, zu dem er zuerst gekommen ist, vollständig auszutilgen; das heißt, dasjenige, was er im Erdenleben hat, hinunterzutauchen in das Unbewußte und außerhalb seines physischen und ätherischen Daseins zu leben. Dann aber, wenn der Mensch das erreicht, dann reicht der Rückblick nicht bloß bis zur Geburt oder Konzeption, dann geht der Rückblick weiter in die Vergangenheit hinein: Wir schauen hin in eine geistige Welt, in der wir waren als geistig-seelisches Wesen, bevor wir in die physische Welt hinuntergestiegen sind. Wir schauen uns handelnd, lebend in dieser geistigen Welt, ebenso wie wir uns als physisches Menschenwesen in der physischen Welt schauen. Wir lernen erkennen, daß dasjenige, was die Natur ausbildet als unseren physischen Menschenkeim, sich vereinigen muß mit dem, was hinuntersteigt aus den geistigen Welten, denn das schauen wir jetzt selber an. Und wenn wir diese Erkenntnis erreicht haben, durch die wir ganz herausgehen aus unserem physischen und ätherischen Leibe, dann schauen wir, wenn wir wieder zurückgehen — das heißt, wenn der Augenblick unseres Schauens der geistigen Welt aufgehört hat-in unseren eigenen physischen und Ätherleib hinein und finden, wie unser Erdenleben im Seelisch-Geistigen ein Abbild ist von demjenigen, was wir eben schon geistig-seelisch waren, bevor wir auf die Erde heruntergestiegen sind. Und gerade indem wir wiederum hineinkommen in unseren Leib, in den physischen und Ätherleib, erobern wir uns die Kraft eines, ich möchte sagen, konfigurierten, individualisierten Schauens. Jetzt lernen wir, während wir mehr eine allgemeine geistige Welt, die wir durchgemacht haben im vorirdischen Dasein, außer unserem physischen Leibe und unserem Atherleibe erleben, jetzt, wo wir wieder zurückkommen in den physischen und Ätherleib, jetzt lernen wir, indem wir zwar nicht untertauchen, aber ich möchte sagen einkehren, darinnen wohnen in unserem physischen und Atherleib, jetzt lernen wir unterscheiden zwischen den geistigen Wesenheiten einer höheren Welt, mit denen wir vereint waren, bevor wir zum irdischen Leben hinuntergestiegen waren, wie wir hier unterscheiden zwischen einzelnen Menschenindividualitäten. Wir lernen Wesen erkennen, die niemals auf die Erde hinuntersteigen, die niemals einen physischen Leib annehmen, geistig-göttliche Wesen. Wir sind die Mitbewohner der geistigen Welt mit ihnen, bevor wir auf diese Erde hinuntergestiegen sind. Und wir lernen schauen, eben dadurch, daß wir nun abwechselnd außerhalb und innerhalb unseres Leibes sein können mit dem Geistig-Seelischen, wir lernen auch erkennen, wie unter diesen höheren geistig-seelischen Wesen, unter denen wir waren, bevor wir auf die Erde gestiegen sind, nun die Menschenseelen sich befinden, die warten auf ihr Heruntersteigen auf die Erde, um es zu erleben in einer späteren Zeit, als wir es erlebt haben.