20. Die Apokalypse
Die Persönlichkeit Christi ist in einer so entschiedenen Weise in den Mittelpunkt zu stellen, dass es nicht nur eine Folge des Messias-Bewusstseins Christi selber war, sondern dass es auch war etwas, was in der ganzen Zeit damals lag. Die ganze Zeit hatte das Bedürfnis, eine Persönlichkeit, einen auf den Höhen der geistigen Entwicklung wiedergeborenen Menschen in den Mittelpunkt der ganzen Weltbetrachtung zu stellen, sodass ein tiefgehendes Bedürfnis nicht nur bei denjenigen da war, von denen die Gründung des Christentums ausging, sondern da war in dem Zeitgeist, nicht nur in der Messias-Erwartung des jüdischen Volkes, sondern auch der heidnischen Völker. So war auch der Drang vorhanden, dieser Persönlichkeit gegenüberzustehen, sie zu sehen. Wir sehen, dass der eine oder der andere dafür gehalten werden kann. Das Heidentum hat geradezu ein Gegenbild in Apollonius von Tyana geschaffen. Er ist im Heidentum vielleicht eine so interessante Erscheinung wie Sokrates, Platon und so weiter. Aber er hat noch ein besonderes Interesse dadurch, dass tendenziös eine heidnisch-menschliche Gottheit geschaffen werden sollte, welche dem Christus gegenübergestellt werden sollte. Es besteht aber ein deutlicher Unterschied zwischen der Gedankenwelt, welche sich an Christus, und derjenigen, welche sich an - Apollonius von Tyana knüpft. Apollonius wird angesehen mehr als ein von Gott geliebter Mensch. Im Grunde genommen ist es dieselbe Anschauung, die aus dem jüdischen Bewusstsein herauskam. Ich möchte sagen, von der heidnischen Seite aus gesehen, während mehr die Gottheit betont wird bei Christus, wird bei Apollonius mehr gesagt, dass er ein bis zur Göttlichkeit gekommener Mensch ist, ein von Gott geliebter Mensch, nicht ein Gott.