20. Die Apokalypse
Ich muss hier aufmerksam machen auf ein Missverständnis, welches darin besteht, dass man glaubt, diese großartige Symbolik zwischen der kleinen und großen Welt, zwischen dem Menschen und den kleinen Weltvorkommnissen und den großen Weltgeheimnissen sei ein Produkt der Phantasie. In unserem neunzehnten Jahrhundert hat sich diese Lehre ausgebildet. Wir sehen in den Volksreligionen das Religion schaffende Märchen, die Religion schaffende Phantasie, welche die Vorgänge [in der Natur] in Luftkreis, Blitz, Donner und so weiter in mannigfacher Weise personifiziert und sich Götter bildet. In den Gesetzen, welche die Sterne befolgen, wird der Ausdruck einer göttlich-geistigen Weltordnung gesehen. Aber es war innerhalb der eigentlichen Priester-Theosophie durchaus die Überzeugung vorhanden, dass, wenn die Sonne bei ihrem Gang über das Himmelsgewölbe verfolgt wird, man nicht nur den Vorgang des Dahineilens über das Himmelsgewölbe zu sehen hat. Dieser Vorgang ist nur ein Symbol für den dahinter sich vollziehenden Vorgang. Das, was die Volksphantasie in exoterischer Weise ursprünglich besessen hat, das wurde später von dem Priester als Symbol gelehrt. Aber der sah in den Gesetzen — wir wissen, dass im assyrischen Reich eine hochentwickelte Astronomie vorhanden war -, der sah in den Gesetzen nicht das trockene naturalistische Gesetz, der sah darin die Sprache der Gottheit, nur ein Symbol für den tieferen geistigen Vorgang.