20. Die Apokalypse
Ich habe gezeigt, wie die einzelnen Lehren im Morgenlande bereits vorgebildet sind. Was uns aber besonders interessiert, ist das Hereinspielen derselben in die Apokalypse. Wenn man den Grundgedanken nicht so fasst, ist sie nicht zu verstehen. Es ist nicht zu verstehen, dass die Vorstellungswelt, die Summe der [religiösen] Gefühle schon vorhanden war und wieder auftritt in neuer Gestalt im Christentum. Der Verfasser [der Apokalypse] war sich dessen bewusst. Er wollte nichts anderes wiedergeben als die alten mystischen Geheimnisse. Er sagt, dass alles, was er da aus der Sternenwelt gelesen hat, das hat sich jetzt im Lebensgang einer einzelnen Persönlichkeit als unmittelbares Erlebnis abgespielt. Was ihr früher nur als kosmisch-geschichtlich sich abspielen saht, das ist zum Leben eines einzelnen Menschen geworden. Das ist der Grundgedanke der Apokalypse. Wir sehen, wie die alten Priestervorstellungen uns entgegentreten in den ganzen Beschreibungen: die sieben Posaunen, die sieben Siegel und so weiter. In alledem sehen wir nichts anderes als die Ausprägung uralter, längst vorhandener Mysterieninhalte, und das, was uns in der Apokalypse dargestellt wird, ist nichts anderes, als dass diese Sache im Christentum ihre Erfüllung gefunden hat. An einer Stelle will ich zeigen, wie uns daselbst vorgeführt wird diese alte Lehre und wie dann damit in Zusammenhang gebracht wird die neue Lehre, wie die neue Lehre sich aus der alten herausentwickelt. Die früheren Kapitel werde ich später behandeln. Zuerst die ganze Stelle aus der Mitte heraus.