{"corpus":"steiner","locus":"GA 87/1902-03-29/p005","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"So kann man verfolgen die zwei ineinander verflochtenen Bestandteile der Apokalypse, welche sich uns in zweifacher Siebenzahl darstellen, in einer Siebenzahl mit dem Blick auf die Vergangenheit und mit einer Siebenzahl mit dem Blick in die Zukunft. Auf die Vergangenheit bezieht sich alles, was uns bei der Eröffnung der sieben Siegel gesagt ist, und auf die Zukunft bezieht sich das, was uns gesagt wird von dem Ertönen der sieben Posaunen. Dass sich das Buch mit den sieben Siegeln nur auf die Vergangenheit bezieht, das geht aus der Lösung derselben hervor. Wenn man die ganze Situation verstehen will, dann muss man sich vergegenwärtigen: Was ist gelehrt worden in den theosophisch-mystischen Schulen? Man muss auch eine Vorstellung [davon] haben, wer der Schreiber der Apokalypse war. Es kommt nicht auf die bestimmte Persönlichkeit an, sondern darauf, woraus diese Anschauungen entstanden sind, woraus sie sich gebildet haben. Erst in der Mitte des zweiten Jahrhunderts wurden sie zusammengearbeitet zu der Form, in der wir sie jetzt haben. Der Verfasser ist hervorgegangen aus gnostischen Schulen, die im zweiten Jahrhundert nach Christus noch überall geblüht haben. Sie waren eine Fortsetzung der alten gnostischen Schulen, die nichts weiter getan haben, als die Mysterien weiter auszubilden. Was in diesen gnostischen Schulen gelehrt worden ist, das ist schwierig zu erfahren. Nur wenige Dokumente gibt es, welche uns von der eigentlichen geistigen Welt [dieser Schulen] die nötigen Hinweise geben können. Diese gnostischen Schulen, die überall in der damaligen Welt verbreitet waren, hatten eine vergeistigte Anschauung von den alten Mysterienkulten. Ich will damit nicht sagen, dass es eine höhere Stufe sei. Das Geistige in der Erkenntnis muss nicht eine höhere Stufe sein als das, wenn man hinunterdringt in das Leben und das Geistige da ergreift. Die eigentlichen Gnostiker, welche der christlichen Lehre zugrunde liegen, waren im wesentlichen Theologen und Philosophen, welche eine sehr intellektuelle Lehre kultivierten. Die Hauptsache war tatsächlich bei den Gnostikern - der Grundnerv, den wir uns aus den verschiedenen Schulen herausdestillieren können -, war eine Art Sehnsucht, die Welt des Menschen mit der großen Welt des Kosmos zu verbinden. Das letzte Mal habe ich gezeigt, dass die Christus-Lehre die kosmische Überzeugung ist, dass die Erlösungsgeschichte der Menschheit ein Vorbild dessen ist, was im einzelnen Menschen sich abspielt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"21. Gnosis Und Apokalypse","site_heading":null,"date":"1902-03-29","location":null,"word_count":368,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/87/1902-03-29/p005","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/87/1902-03-29/p005"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/87/1902-03-29/p005","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Auch wenn die Mitschrift noch nicht die später übliche Genauigkeit aufweist","evidence_translation":"Even though the transcript does not yet have the accuracy usual later","evidence_source":"The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 87), which calls the cycle the earliest of which a listener's transcript exists. The translation is the maintainer's, not a published one."}}