24. Über Scotus Eriugena
Ihr erreicht nicht durch Begriffe, nicht durch den Verstand die Gösttlichkeit. Stellt ihr euch die Göttlichkeit als Persönlichkeit vor, so seht ihr die Göttlichkeit in der Überpersönlichkeit, als Wesen im Überwesentlichen, als Vollkommenheit im Übervollkommenen! Es ist höchst merkwürdig, dass das Abendland überrascht werden konnte durch das Wort «Übermensch», das uns heute so oft entgegentritt. Bei dem Dionysios schen wir ein Wort auftreten, das viel höher uns hinaufführt, indem er nicht bloß vom Übermenschen, sondern vom «Übergott» spricht. Das ist im Gegensatz zu dem Gott, der menschenähnlich ist, im Gegensatz zu dem, was man dann die «positive Theologie genannt hat, die lebenskräftige Theologie, die hinter der negativen war. Nikolaus Cusanus sagte - nachdem er alle Kenntnis sich angeeignet hatte, die ihm die Wissenschaft geben konnte, nachdem ihm bei einer Reise über das große Meer die Erkenntnis aufgegangen war, wie das geistige Auge sich mit einem Blick klarwerden muss -, dass dies nicht Ausdrücke sind für etwas, was besteht, sondern nur für Symbole, welche in uns eine Perspektive erwecken können.