24. Über Scotus Eriugena
Bei [Augustinus] fehlt vollständig, was bei den Gnostikern der ersten Jahrhunderte wahrscheinlich noch vorhanden war, und was die christliche Kirche nicht bewahrt hat: das Bewusstsein von einer durchgreifenden Individualität und jede Bemerkung von einer Seelenwanderung. Zwischen der Persönlichkeit und der Gottheit ist nichts eingeschoben. Augustinus musste jede menschliche Eigentümlichkeit sozusagen auf den Willen der Gottheit zurückführen. Er konnte nichts [anderes] sagen, da er nichts von einer durchgreifenden Individualität wusste. Das, was in mir als eigene Persönlichkeit auftritt, ist das Ergebnis dessen, was nach rückwärts und nach vorwärts ausgreift. Das muss [Augustinus] aber auf den Willen der Gottheit zurückführen. So schen wir eine Grenze zwischen der Gottheit und dem Willen des Einzelnen. Und so entsteht der [sogenannte Prädestinations-]Streit. Wir haben da auf der einen Seite diejenigen, welche selig werden, und auf der anderen Seite diejenigen, welchen das Eindringen in die Göttlichkeit nicht ermöglicht wird: trotz der ungeheuren Liebe auch die Durchführung des Furchtbaren. Also Dualismus.