24. Über Scotus Eriugena
Mit einer solchen Lehre war es innerhalb der Kirche ungeheuer schwierig zu wirken. Man darf sich nur vorstellen, dass diese Lehre nur einem großzügigen Denken gegenüber vertreten werden kann; sie vor den Gemeinden zu vertreten ging nicht. Trotzdem es für die Kirche feststeht, dass die Weisheit des Augustinus tonangebend war. Diese [einschneidende] Lehre von der Prädestination konnte nicht beibehalten werden, sodass man suchte, diese harte, grausame Lehre zu verbergen, abzuschwächen. Man sagte: Es ist ganz zweifellos, dass ganz von Anfang an die Sünder zu ewiger Verdammnis, die Gerechten zur Glückseligkeit vorherbestimmt waren; man schob dann aber die Möglichkeit ein, dass ein Herüberziehen [zur anderen Seite] stattfinden kann. Kurz, man suchte herauszukommen aus dem Dilemma. Den einzigen Ausweg, der in der Seelenwanderung gegeben ist, suchte man jetzt durch die Halbheit der augustinischen Lehre zu überbrücken. Gegen diese Halbheit der augustinischen Lehre trat nun in Frankreich am Hofe Karls des Kahlen, [Gottschalk], ein französischer Mönch auf. Wenn er auch den Augustinus nicht genannt hat, so vertrat er ihn doch ganz und gar und er lehrte wieder die ganze augustinische Lehre [von der absoluten Prädestination].