24. Über Scotus Eriugena
Scotus Eriugena hat sich in Gegensatz gestellt zu Gottschalk. Trotzdem hat er betont, dass die Lehre, welche in der Kirche herrsche, auch nicht die richtige sei. Er selbst hat sich dann auch dahin ausgesprochen, dass tatsächlich in groß angelegten Naturen immer und immer wieder das theosophisch-mystische Element zum Durchbruch komme. Er hat gesagt, nur bei einer Anschauung, welche die Göttlichkeit jenseits der Welt legt und wo das Göttliche [nicht] die ganze Welt durchzieht, also nur bei einer solchen Lehre könne Augustinus missverstanden werden. Aus einer solchen Vertiefung sehen wir die bedeutungsvolle Schrift des Scotus Eriugena «Über die Einteilung der Natur» hervorgehen. Der Strom des Göttlichen durchzieht die Welt. Das Göttliche muss aber in der Welt gesucht werden in verschiedenen Stufen. Er vertritt da eine Art von Pantheismus, von dem Böhme sagen würde, er vermischt nicht die Welt mit dem Göttlichen, sondern er wertet es dadurch, dass er sagt: Die Weltdinge sind zwar das Göttliche, aber nicht so, dass man es in den einzelnen Dingen finden kann. Diese führen nur dahin, sie sind die Führer [zum Göttlichen]. So sehen wir auch bei Scotus Eriugena gegen die Lehre des Augustinus das Bedenken, dass er sagt: Wäre tatsächlich der eine Teil der Welt als schlecht, als Abfall gegen das Ur-Gute und Ur-Schöne zu betrachten, wäre sie ein Dualismus zwischen Gut und Böse, dann wäre es unmöglich, dass das Göttliche die Welt durchdringt, denn im Schlechten müsste das Göttliche dann ebenfalls vorhanden sein. Dann wäre aber das Schlechte eine Manifestation des Göttlichen - oder man müsste von einer Ohnmacht des Göttlichen sprechen.