24. Über Scotus Eriugena
Jakob Böhme hat eine Vorstellung, welche viel Ähnlichkeit damit hat. Er vergleicht die Welt mit einem Organismus. Jedes einzelne Glied lebt. Die Hand ist ebenso notwendig zum Ganzen des Organismus wie der Fuß oder ein anderer Teil desselben. Sie ist das, was sie ist, nur im Zusammenhang des Organismus. Die Hand, wenn sie vom Organismus getrennt wird, stirbt, ist nicht mehr Hand; sie muss als Hand vom Organischen durchströmt werden. So ist das Mannigfaltige nur dadurch gut, dass es zusammenhängt mit dem Urquell. Kann dadurch verhindert werden, dass die eine Hand die andere verletzt? Dadurch, dass der Organismus aus Teilen besteht, ist es möglich, dass Teile miteinander in Konflikt kommen. So ist die Disharmonie nicht [im Organismus] begründet. Wohl aber wird sie entstehen können, wenn der Organismus uns als ein Mannigfaltiges erscheint. Wenn die Teile des Mannigfaltigen in die Einheit zurückgekehrt sind, dann kann keine Disharmonie mehr zustande kommen, dann können die Kräfte nicht mehr gegeneinander gekehrt werden. Solange die Welt ein Mannigfaltiges ist, so lange wird es auch sein, dass Teile derselben sich gegeneinander kehren. Trotzdem das Ganze gut und in Harmonie ist, trotzdem ist Disharmonie möglich. Wenn wir mit einem Blick die Zeiten und Räume durchschauen könnten, dann würde sich uns jedes Einzelne, was uns böse erscheint, als gut erweisen, jede Disharmonie sich aufheben in der Harmonie des Ganzen. Wir schen nur einen Teil dadurch, dass wir selbst ein Glied der Mannigfaltigkeit sind. So also löst sich für Scotus Eriugena dieser Zweifel auf dadurch, dass er nicht Herrschaft Gottes, sondern Einordnung Gottes in die Welt annimmt. So muss auch das Böse nur ein Scheinwesen haben, und zwar notwendig dadurch, dass Gott Materie annahm.