{"corpus":"steiner","locus":"GA 88/1903-06-28/p005","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Im Mittelpunkt stehen die Kämpfe der beiden verwandten Geschlechter der Kurus und Pandus, die mit dem Untergange des Heldengeschlechtes der Kurus enden. Die Bhagavad Gita hat zum Inhalt ein wundervolles religionsphilosophisches Gespräch zwischen dem Helden Arjuna und Krishna, dem fleischgewordenen, inkarnierten Gotte. Die lichtvollen und erhabenen Weisheitslehren und das überaus fein differenzierte Empfindungs- und Unterscheidungsvermögen in den subtilsten ethischen Fragen lassen nicht nur auf eine noch unerreichte Kultur unserer Stammeseltern auf diesem Gebiete schließen, nein, sie wirken auch wie unmittelbare Offenbarungen des göttlichen Geistes. Wilhelm von Humboldt war so erschüttert von der unvergleichlichen Schönheit und Tiefe dieser Dichtung, daß er begeistert ausrief: Es lohnt, so lange zu leben, um ein solches Gedicht kennenzulernen. Im Beginn stehen sich die beiden feindlichen Heere kampfbereit gegenüber. Arjuna der Held läßt seinen goldenen, mit weißen Rossen bespannten Wagen in die Mitte des Kriegsfeldes lenken, um sich die kampfbegierigen Feinde näher zu betrachten. Als er aber in ihren Reihen Blutsverwandte entdeckt, Väter, Söhne, Enkel, Vettern und Brüder, die wutentbrannt sich gegenseitig morden wollen, da erbebt sein edles Herz in wildem Weh, und von Mitleid überwältigt, entfällt ihm der schon gespannte Bogen. Er schaudert vor dem Gedanken einer Blutschuld zurück, lieber will er auf Ruhm und Herrschertum verzichten, als diese Sünde auf sich laden; lieber möchte er von ihrer Hand sterben, als den Tod eines seiner Verwandten verschulden. Doch Krishna naht sich dem Verzagten und schlichtet den Kampf in seinem Innern, indem er ihn über seine Pflichten als Krieger, über sein Dharma aufklärt. Arjuna der Held ist der Mensch, und sein Inneres ist das Schlachtfeld, auf dem die harten Kämpfe der Seele ausgefochten werden. Schwankend zwischen dem irdischen und dem himmlischen Teile unseres Gemütslebens, im Widerstreit der Gefühle, von bangen Zweifeln geplagt, wissen wir oft nicht, wohin wir uns wenden sollen, was unsere Pflicht ist. Denn jedes Sonderwesen hat seine eigene besondere Pflicht, sein Dharma, das er erkennen muß.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"12. Die Bhagavad Gita","site_heading":null,"date":"1903-06-28","location":null,"word_count":313,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/88/1903-06-28/p005","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/88/1903-06-28/p005"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/88/1903-06-28/p005","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Aufzeichnungen von neunzehn Vorträgen und vier privaten Lehrstunden","evidence_translation":"Records of nineteen lectures and four private teaching hours","evidence_source":"Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one."}}