12. Die Bhagavad Gita
Schwer ist es für uns immer, unser eigenes Dharma, das Gesetz unseres persönlichen Daseins zu finden, das Gebot «Erkenne dich selbst» zu erfüllen. Man muß sich lange gewöhnen, um unbeeinflußt von den Dingen der Sinnenwelt, von unseren eigenen Wünschen und bewunderten Vorbildern, sich still in sich selbst versenken zu können und auf die innere Stimme zu horchen, die uns den Weg unserer Pflicht weist, die unsere Stellung, unsere Beziehungen, der Kreis, in den wir hineingeboren sind, uns auferlegen. Wenn wir die Stufe unseres Seins, unseren Unvollkommenheitsgrad richtig erkennen, wenn wir uns über das, was Wahrheit und Pflicht auf unserer Entwicklungstufe ist, recht klarwerden, dann dient Selbsterkenntnis nicht dem Egoismus, sondern das ist Dharma, denn Dharma ist die Befolgung des Gesetzes im Sinne wahrer Selbsterkenntnis. Wir finden dann unsere persönliche Note und können sie in der ewigen Weltharmonie zum kräftigen Mittönen bringen. Wir müssen unseren innigen Zusammenhang mit dem Kosmos, als einen Teil desselben, begreifen lernen; unsere Schwingungen müssen harmonisch zu der rhythmischen Bewegung des Kosmos stimmen. Unrecht und Sünde ist ja nichts anderes als Disharmonie, wenn unsere unregelmäßigen Schwingungen Stockungen und Störungen in dem gesetzmäßigen Gang des kosmischen Geschehens verursachen. Je mehr wir uns eins mit dem Kosmos fühlen, je mehr wird er uns offenbaren. Nur der Geist spricht zu uns, den zu verstehen wir gelernt haben. Nach dem Maße unserer Erkenntnis wird uns göttliche Inspiration zuteil, offenbart sich uns das höhere Selbst, das göttlicher Natur ist.